Mozart: Don Giovanni
Mozarts «Don Giovanni», die Oper aller Opern, lieferte mehr Stoff zu Spekulationen als selbst das geheimnisumwitterte Requiem. Die Regisseurin Sandra Leupold indes hat alle literarisch-philosophischen Überschreibungen von Libretto und Musik dort stehen lassen, wo sie hingehören – im Buchregal – und das wahrhaft inkommensurable Werk in ihrer Heidelberger Inszenierung ohne Wenn und Aber, ohne Tiefenpsychologie und politische Aktualisierung auf die Bretter des Theaters zurückgeholt.
Acht Sänger treffen sich auf der Szene und spielen Sänger, die «Don Giovanni» spielen.
Jeder mit einem Stuhl bewaffnet gesellen sie sich zur Musik der Ouvertüre wie zufällig aufs Podium. Als zuletzt Don Giovanni – ohne Stuhl! – auftritt, schnappt er sich einfach den seines Dieners und kippt Leporello zu Boden. Später, nach dem Mord am Komtur, dreht Leporello den Spieß um und komplimentiert seinen Herrn auf den frei gewordenen Stuhl des Toten. Ohne es noch recht gemerkt zu haben, sind die Spieler Teilnehmer und wir die Zuschauer einer außerordentlichen Geschichte.
Dieser simple Grundeinfall, in dem episches und gestisches Theater sich überlagern, schafft gleichermaßen Distanz wie Perspektive. Anderer ...
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