Beschaulicher Wahnsinn
Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen nicht gerecht geworden.
Das Markenzeichen und Erfolgsrezept dieser hoch gelobten Künstlerin sind äußerst konzentrierte, visuell verführerische, komplex konstruierte, gleichwohl spielerische Adaptionen von Weltliteratur: Prousts «A la recherche du temps perdu» schnurrte bei ihr zu «Eleven Rooms of Proust» zusammen, ferner dienten (unter anderem) Leonardo da Vincis «Notizbücher», die «Metamorphosen» von Ovid und Homers «Odyssee» als Vorlagen. Für jedes Projekt musste sie eine eigene theatralische Welt erfinden, die ihr eigenes, unverwechselbares Tempo hatte. Opernregisseure genießen zwar viele andere Freiheiten, doch kommen sie nicht umhin, sich nach den Zeitvorgaben des Komponisten zu richten. Es hilft, der Musik zu vertrauen. Bei Zimmerman ist davon leider nichts zu spüren.
Ihre Ahnungslosigkeit in puncto musikalische ...
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Er kam, strahlte und siegte», schrieb die «Frankfurter Rundschau» im Juli 2006. Die Rede ist von dem neuen Osnabrücker Intendanten Holger Schultze, der seit seinem Amtsantritt im September 2005 ein wahres Theaterfieber entfacht hat. Osnabrück, am Rand des Teutoburger Waldes im südwestlichen Zipfel Niedersachsens gelegen, gehört zu den kulturellen Mauerblümchen...
Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
In der Szene beim Doktor hängt der Titelheld an demselben Schlachterhaken, an dem zuvor eine tote Sau gebaumelt hat. Will sagen: Wozzeck ist ein armes Schwein – so, auf den drastischen Punkt gebracht, lautet die metaphorisch verbrämte Aussage des Regie führenden Flensburger Operndirektors Jan-Richard Kehl. Und so schickt er seinen Wozzeck denn auch durch die...
