Reinthaler: Das Käthchen von Heilbronn

Erfurt, Reinthaler: Das Käthchen von Heilbronn

Opernwelt - Logo

Unterm Holunderbusch träumt Kleists Käthchen von ihrem Prinzen. Das ist so ziemlich das Einzige, was von der somnambulen Liebe im Libretto zu Carl Reinthalers Oper von der literarischen Vorlage übrig geblieben ist. In der Erfurter Ausgrabung – der ersten Inszenierung der 1881 uraufgeführten «romantischen Oper» seit über einem Jahrhundert – hat Regisseur Peter Hailer auch diesen letzten Anklang gestrichen und die Titelheldin auf den nackten Bühnenboden gelegt.

Mit der schwärmerischen Exzentrik Heinrich von Kleists hatte der gebürtige Erfurter Reinthaler (1822-1896), der seit 1859 als städtischer Musikdirektor und Domkantor in Bremen wirkte, ohnehin wenig im Sinn. Bei ihm geht es, trotz gelegentlicher Anklänge an Wagners «Lohengrin», recht handfest zu, wenn am Schluss das gute Paar sich kriegt und die beiden Intriganten, Kunigunde und der Rheingraf, unterliegen.
Reinthaler versteht sein Handwerk, beherrscht die Formen, wählt kräftige Kontraste – Märsche und Tänze, Arbeiter-, Soldaten- und Nonnenchöre (besonders schön das Ave Maria) – und weiß farbig zu instrumentieren. Wie Schumann in seiner einzigen Oper «Genoveva» greift auch er zu liedhaften Nummern, von denen Käthchens ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Agonie des Realen

Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» schien damals ihres religiösen Sujets wie ihrer weitgehend tonalen Musik wegen aus der zeitgenössischen Entwicklung herauszufallen. Heute erweist sich das wieder häufiger gespielte Stück als eigenständiges Ausnahmewerk in der Nachfolge von Debussys «Pelléas et Mélisande»....

Versunkene Paradiese, freche Pointenparade

Selten wurde so viel Aufhebens um ein unartiges Kind gemacht: Für ihre konzertante Aufführung von Ravels dreiviertelstündigem Meisterwerk «L’Enfant et les Sortilèges» versammelten die Berliner Philharmoniker im November 2008 eine Sängerriege, mit der man eine ganze Serie von Galaabenden hätte bestreiten können. Auf dem Podium scharten sich Stars wie José Van Dam,...

Homo homini lupus

Dieses Gesicht brennt sich ins Gedächtnis ein. Eine Frau ringend mit dem Tod. Vermutlich hat sie ein Stück Fleisch verschluckt. Exakt eingefangen ist der Moment, in dem ihr bewusst wird, dass sie sterben könnte. Ein Gesicht, das Schmerz, Unglauben, Verständnislosigkeit und Angst zugleich ausdrückt. Die riesige Figur, zu der es gehört, ist ein Werk der katalanischen...