Tempi passati
In einer Zeit, in der echte Verdi-Sänger ebenso selten geworden sind wie echte Vertreter des Wagner-Fachs, greift der Sammler gern zu alten Mitschnitten und nimmt dabei sogar ein unbefriedigendes Klangbild in Kauf – wie in jenem «Otello» aus Buenos Aires, der nun vom Istituto Discografico Italiano erstmals legal veröffentlicht wird. Ramón Vinay, ein epochaler Darsteller der Titelrolle, war 1958 bereits hörbar auf dem Weg zurück zum Bariton, doch sein Rollenporträt hat nach wie vor vulkanische Kraft.
In Giuseppe Taddeis ebenso stimm- wie ausdrucksstarkem Jago findet er einen ebenbürtigen Partner. Die junge Antonietta Stella ist als Desdemona noch weitgehend frei von Diven-Manierismen und deshalb eine überzeugende Besetzung. Sir Thomas Beechams Dirigat verbindet die Kontraste von ausladendem Lyrismus und dramatischem Feuer. Das Orchesterspiel ist nur mittelklassig, der Klang des Mitschnitts über weite Strecken verzerrt.
Trotz des ebenfalls nur mäßigen Orchesterspiels hat die von Mario Rossi routiniert dirigierte Vorstellung des «Simon Boccanegra», im gleichen Jahr in Neapel mitgeschnitten, starke musiktheatralische Momente und ist vor allem als Dokument der jungen Leyla Gencer von ...
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Mit ihrem Rosenkavalier werde die Musikwelt «stimmlich und darstellerisch auch in besonderen Fällen rechnen können», prophezeite die Grazer «Tagespost» am 9. November 1949 nach dem sensationellen Debüt der erst 25-jährigen Hertha Töpper im dortigen Opernhaus. Und in der Tat: Der Octavian wurde die zentrale, wurde die Schicksalspartie in der Karriere der...
Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...
Eines der markanten Merkmale des Mannheimer Nationaltheaters sind die Logenbalkons aus rohem Sichtbeton, die im Laufe der Jahre schmuddelig und dunkel geworden sind. Ob sich Regisseurin Monique Wagemakers und Bühnenbildner Thomas Rupert für ihre Deutung der «Ariadne auf Naxos» von dieser Architektur haben inspirieren lassen, sei dahingestellt. Wenn der Vorhang...
