Nichts für Besserwessis

Lubchenko: Doktor Schiwago Regensburg / Theater

Opernwelt - Logo

Geschlossen wurde der Pakt, als es auf der Krim noch ruhig war. Als sich die Künstler im politikfreien Raum aalen durften und nicht – ob Gergiev oder Netrebko – mit der einen Frage konfrontiert wurden: Wie hältst du’s mit dem neuen Zar? Auch das ist also eine ungewohnte Rolle fürs Theater Regensburg. Nicht nur Schauplatz sein für eine spektakuläre Uraufführung, sondern auch Auftraggeber für einen Übeltäter – so empfanden es jedenfalls einige.

Anton Lubchenko, Jahrgang 1985, ist in Russland eine Art Staatskomponist.

Valery Gergiev, von dem er sich als Dirigent die Flattergestik abgeschaut hat, fördert ihn nach Kräften. Inzwischen ist er Künstlerischer Leiter des mit üppigen Zuschüssen errichteten Opernhauses in Wladiwostok und schrieb Werke wie die Symphonie «Orthodoxes Russland», eine Kantate über das heute weißrussische Brest und ein Opus über die Geiselnahme im ossetischen Beslan, die in einem Massaker endete.

Mit voller Absicht maskiert sich Lubchenko als Schostakowitsch, Prokofjew, Puccini oder Chatschaturjan, auch in seinem «Doktor Schiwago». Ein Personalstil ist nicht erkennbar. Die zweieinhalb Regensburger Stunden sind zweierlei: eine Dauer-Begegnung mit guten alten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Jedem Wagner seinen Heckel

Der erste Wagner-Verband wurde 1871 in Mannheim gegründet, zu einer Zeit also, als noch nicht einmal der Grundstein für das Bayreuther Festspielhaus gelegt war. Verantwortlich dafür war der Musikalienhändler Emil Heckel (1831-1908), dem Wagner später folgende Widmung schrieb: «Hat jeder Topf seinen Deckel, jeder Wagner seinen ­Heckel, dann lebt sich’s ohne Sorgen,...

Bitte nicht zu laut

Herr Kmentt, Sie haben unzählige Schallplatten gemacht, waren aber zugleich eine echte Wiener Ensemblepflanze. War der Schutzraum der Wiener Staatsoper mitverantwortlich für die Dauer Ihrer über 40-jährigen Karriere?
Nein, ich glaube nicht. Jeder muss mit seinen eigenen Problemen kämpfen, ob innerhalb oder außerhalb eines Ensembles. Ich erhielt gleich zu Anfang...

Fragmente der Verzweiflung

Wie man aus einer wahren Begebenheit ein tragfähiges Musiktheaterstück formen kann, hat jüngst der britische Komponist Joby Talbot (*1971) mit seinem Opernerstling «Everest» gezeigt. Thematisch fühlt man sich erinnert an Christian Josts’ «Angst» (2005): Talbots siebzigminütiges Werk, kürzlich an der Dallas Opera zur Uraufführung gelangt (in Kombination mit dem...