Wagner: Siegfried
Es ist schon ein Kreuz mit Siegfried und Brünnhilde: Hat der jugendliche Held erst einmal seine Tante wachgeküsst, wird von den Darstellern über lange Minuten schauspielerisch viel gefordert. Wie viel man aus dieser brünstig endenden Duett-Szene machen kann, haben Evelyn Herlitzius und Christian Franz dieses Jahr in Bayreuth vorgemacht – wie erschreckend wenig einem Regisseur dazu einfallen kann, ist jetzt in Wiesbaden zu sehen.
Im dritten Teil von John Dews «Ring»-Deutung gibt es erwartungsgemäß wieder einige knallige Ideen: Fafner tritt in Dews kriegerischer «Ring»-Welt gleich als Mensch im Panzer auf, hinter dem Bären des ersten Bildes verbirgt sich der von Anfang an zuhörende Wanderer. Doch wie schon in der «Walküre» geht ihm in der Personenführung außerhalb der sich von selbst beschleunigenden Szenen gründlich die Luft aus. Manches Schlaglicht macht richtig Spaß: Jung-Siegfried ist ein unbefangener Hippie, der zum Mord an Fafner noch ein Sträußchen Blumen mitbringt, Erda schlüpft im überprallen Nackedeikostüm aus der Weltesche, gleich beim ersten Schmiedeversuch erschafft sich Siegfried statt eines stattlichen Schwertes ein veritables Springmesser. Doch das Ende bricht dem ...
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Vor einigen Monaten präsentierte das Festival Internacional de Granada eine Produktion von Tomás Bretóns Zarzuela «La verbena de la Paloma» (siehe OW 9-10/2004). Jetzt wurde mit dessen opulentester Oper «La Dolores» die neue Musiktheatersaison des Teatro Real eröffnet. Bei der Uraufführung des Werks am 16. März 1895 im Teatro de la Zarzuela hatte das...
Mit seinen beiden Überblicksdarstellungen zur Sozialgeschichte des Jazz und der klassischen Musik im Dritten Reich hat der kanadische Sozialhistoriker Michael H.Kater – zumindest in Deutschland – gewaltig Staub aufgewirbelt. Nun schließt er seine Beschäftigung mit acht Fallstudien über Komponisten der Nazi-Zeit ab. Dass es sich dabei nicht um «Komponisten im...
Es ist schon etwas anderes, wenn die amerikanische Flagge mit ihrem Versprechen von Freiheit für jedermann im Opernhaus einer Stadt erscheint, deren Flughafen «George Bush» heißt, und wenn die «Stars and Stripes» immer dann aus dem musikalischen Fluss auftauchen, wenn auf der Bühne gelogen wird: Die «Butterfly»-Inszenierung, mit der Francesca Zambello vor sechs...
