Vom Rand des Jenseits
Mit «La página en blanco» markiert das Teatro Real in Madrid eine Premiere in mehrfacher Hinsicht: Pilar Jurado, Jahrgang 1968, hat für die von ihr komponierte Oper nicht nur das Libretto selbst geschrieben (das kam seit Albert Lortzings Pionierleistungen immer wieder vor), die Dirigentin und Musikpublizistin sang auch eine der Hauptrollen selbst. Das ist, zumindest in der neueren Musikgeschichte, einmalig. Überhaupt war sie die erste Frau, von der die spanische Nationaloper ein Musiktheaterwerk zur Aufführung angenommen hat.
Prolog: Der Chor bekundet aus dem Off, jedermann sei selbst seines Glückes Schmied. Da lachen die Götter. Denn die Zukunft ist ein weißes Blatt. Ansonsten geht es erst einmal um eine Geschichte, die ein wenig spanisch-surreal anmutet. Zum Vorspiel zeigt sich so etwas wie ein Klappaltar auf der Bühne, zunächst geschlossen und mit alter Schrift prunkend. Es handelt sich wohl um Worte aus der Offenbarung Johannis, aus deren 13. Kapitel auch einzelne Sentenzen immer wieder vom Chor eingestreut werden. Das von Titus Engel kompetent geführte Orchester legt sich bereits kräftig ins Zeug. Indem sich die Altarflügel öffnen, auf denen alsbald Video-Animationen eine von ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Frieder Reininghaus
Kasan, die Hauptstadt der Tatarischen Republik, ist heute eine offene, grundsätzlich zweisprachige Metropole. Die Zeiten gewalttätiger Russifizierung unter Iwan dem Schrecklichen oder interkonfessioneller Kämpfe scheinen vergessen. Die im Kasaner Kreml neu errichtete Moschee Kul-Scharif mit acht Minaretten leuchtet mit Würde, strahlt metropolitanen Luxus aus. Die...
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz,...
Der Höhepunkt kam zum Schluss. So transparent, wie die Staatskapelle Halle unter Karl-Heinz Steffens die Variationen aus Alban Bergs «Lulu-Suite» musizierte, fiel einem unwillkürlich Anton Weberns Diktum ein, in 50 Jahren würde jeder Postbote die Musik der Schönberg-Schule pfeifen. Zumindest konnte jeder musikalische Hörer die Metamorphosen des Wedekind’schen...
