Narren in Tränen

Am See wie auf der Festspielbühne: In Bregenz geht es um Frauen als Objekte männlicher Projektionen. Philipp Stölzs Spektakel über Verdis «Rigoletto» bannt geschickt das große Pubikum, Mariame Clément bietet für Massenets «Don Quichotte» überaus poetisches Regietheater auf

Opernwelt - Logo

Die Zahlen sind imponierend: 140 Tonnen schwer und 14 Meter hoch ist das Bühnenbild zu Verdis «Rigoletto» auf der Seebühne Bregenz. Acht Millionen Euro ließen sich die Festspiele am Bodensee diese Kulisse kosten – und erfüllten damit erneut die an sich selbst gestellte zentrale Forderung: Open-Air-Spektakel mit höchstem Schauwert anzubieten.

Drinnen im Festspielhaus gibt es wieder das selten gespielte Fundstück, diesmal Massenets «Don Quichotte» – eingerichtet als feministische Studie über Männer-Bilder

Entspräche das künstlerische Gewicht der neuen «Rigoletto»-Inszenierung bei den Bregenzer Festspielen dem zentralen Motiv des Bühnenbilds, einem beweglichen Clownskopf mit roter Stupsnase über dem zirzensischen Spielrund, dann müsste man nur in Superlativen von ihr sprechen: 140 Tonnen bringt die beinahe 14 Meter hohe Skulptur mit klimpernden Augen und gefräßig malmendem Kiefer samt Hydraulik und Hebekran auf die Waage. In der Liste der spektakulären Bühnenbilder der Seefestspiele setzt die Bühne von Philipp Stölzl und Heike Vollmer – zu der auch seitlich aus dem Wasser ragende bewegliche Riesenhände der Titelfigur gehören, denn der Maskenkopf ist der des Narren Rigoletto – eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Raus aus dem Haus

Mit interdisziplinären Projekten des Musiktheaters hat Berthold Schneider, seit 2016 Intendant der Wuppertaler Oper, jede Menge Erfahrung. Schon am Anfang seines Weges durch diverse Häuser (Hamburg, Mannheim, Saarbrücken, London/ ENO, Darmstadt u. a.) experimentierte er mit neuen Formaten. In der ehemaligen Staatsbank am Berliner Gendarmenmarkt etwa inszenierte er...

Premieren September/Oktober 2019

Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren der Monate Sept./Okt. 2019. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/

ML = Musikalische LeitungI =...

Strom der Empfindungen

Man hört es und fühlt sich sogleich erinnert. Dieser Seufzer! Unzählige Male wurde er in die Welt entsendet, so häufig und so verzweifelt, dass man irgendwann gar nicht anders konnte, als still und leise mitzuseufzen. Auf welchen Wegen aber gelangte dieses Sekundmotiv in ein Stück, das nicht «Pique Dame» heißt und aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskys stammt?...