Verdi: Aida

Freiburg

Opernwelt - Logo

Alle Achtung! Alfred Kirchner geriert sich in seiner Freiburger «Aida» nicht selbstgefällig als «elder statesman» der Regie – er rollt vielmehr die Ärmel auf. Er beweist, sagen wir: soziokulturelle Kompetenz. Er sieht Verdis Oper, weit weg von Verona und jedwedem Kos­tüm­schutt, als verdächtig gegenwartsnahen Kampf der Kulturen.

Er bindet einen gänzlich hochkulturfernen multi-ethnischen Kindertrupp in die Vorarbeit ein und lässt ihn als poetischen Widerpart zum dröhnenden Kriegsgebrüll der von Priestermumien aufgewiegelten Massen agieren: ein utopisch-fried­­liches Mit­einander bunten Volks, deutlich von der Konsumwelt eines (etwas banal-beliebigen) Supermarkt-Ambientes abgegrenzt (Bühne: Stefanie Seitz), mit Schiffschaukel, einer fulminanten Break­dance-Alternative zu Verdis Ballettmusik und einem Uralt-Grammophon samt ein paar kräch­zender Verdi-Takte als Kontrast zur «Live-Musik» der Großkopferten drüben.
So fern aller Arena-Plüsch hier, so nah sind die emotionalen Konflikte der Figuren und ihre seelischen Reaktionen – dank einer Personenregie von mitunter bestechendem Format. Kirchners Radames ist bei Alexey Kosarev wirklich einmal ein junger Mann, der sich vor Kampfesdrang ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 55
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schenkt man sich Rosen im Serail

Die Legende vom Kreuzritter Ernst von Gleichen, der aus siebenjähriger Kriegsgefangenschaft eine orientalische Prinzessin in die thüringische Heimat mitbrachte und daselbst mit Einwilligung seiner ersten Frau sowie des Papstes eine angeblich harmonische Ehe zu dritt geführt haben soll, beschäftigt die Literatur seit Jahrhunderten. Goethe ­zitiert sie in der...

Bloch: Macbeth

Ernest Blochs einzige Oper «Macbeth» ist ein Jugendwerk des später vor allem durch seine hebräische Rhapsodie «Schelomo» bekannt gewordenen Komponis­ten. Das Libretto von Edmond Fleg hält sich eng an die Vorlage von Shakespeares Tragödie. Selbst bei Verdi gestrichene Passagen wie die groteske Szene des betrunkenen Pförtners und den Gräuelmord an Macduffs Frau und...

Ein Jung-Siegfried nach Maß

Auch wenn es gegenüber dem Produktionsteam und ­allen anderen Mitwirkenden ungerecht ist, der neue «Siegfried» an der ENO (English National Opera) ist vor allem wegen des Protagonisten bemerkenswert: Ri­chard Berkeley-Steele bewältigt die Monsterpartie nicht nur stimmlich eindrucksvoll, sondern er bietet dem Publikum das äußerst seltene Ereignis, in Körpersprache,...