Facettenreich
Das zweistöckige Haus Kettenbrückengasse 6 unweit des Theaters an der Wien sieht mit seiner schmutzig-traurigen Fassade aus, als würde es den Tod Franz Schuberts noch heute betrauern. Vor 180 Jahren starb der Komponist dort, erfror an der Welt, quälte sich davor noch seine «Winterreise» ab. Man erinnert sich an die Szenen in Fritz Lehners Schubert-Verfilmung «Mit meinen heißen Tränen»: Schwammerl, der Schmerzensmann, der Musikterrorist in der bleiernen Zeit Metternichs, in Udo Samels pyknischer Gestalt.
Den Freunden trug er seine «schauerlichen Lieder» vor, mit hohler, schartiger Stimme. Hat Schubert wirklich so geklungen? Vermutlich nicht; schließlich war er Mitglied des k. u. k. Sängerknaben-Konvikts gewesen – Zeit- und Hörgenossen berichten von einer zierlichen Tenorstimme. Doch sein Vortragsstil dürfte eher deklamatorisch gewesen sein, vermutlich anders als jener des Hofopernsängers Michael Vogl, der Schuberts bedeutendster und erfolgreichster Interpret wurde. Aber auch Vogl hat die Lieder wohl schlichter gesungen, als wir es heute angesichts einer interpretatorischen Übernuancierung des späten 19. Jahrhunderts gewohnt sind. Man muss es bedauern, dass Edison erst Mitte des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Uraufführung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über...
Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...
Die die Gruppe zusammenkittende Tanzmusik dieser Jugendgang kommt aus dem Gettoblaster, ihr Anführer namens «Duca» grabscht alles Weibliche in seinem Gesichtskreis schamlos ab, und dann ist da noch der behinderte Kerl, der dem Chef die Chicks zuführt. Nicht so sehr der treffgenaue, gut funktionierende Verdi-Verfremdungswitz dieser «Rigoletto»-Inszenierung im...
