Mit Venus auf dem Küchentisch
Die Konstellation des neuen «Tannhäuser» in Dortmund erinnert an das Düsseldorfer Debakel vom Mai des vergangenen Jahres, als Burkhard C. Kosminskis Inszenierung vor Schreck über die heftigen Proteste sofort nach der Premiere umstandslos in die Schreddermaschine wanderte. Ein beispielloser Fall mangelnden Rückgrats seitens des Managements der Rheinoper. Die noch frische Erinnerung an die Düsseldorfer Pleite steigerte schon aufgrund der ähnlichen Ausgangslage die Spannung auf die Dortmunder Premiere.
Denn auch Regisseur Kay Voges ist wie Kosminski ein Opernneuling, der vom Schauspiel kommt. Auch er ist Theaterleiter, und zwar nebenan im Dortmunder Schauspiel. Auch er hat eine Schwäche für gewagte, um nicht zu sagen hochgradig sensible Aktualisierungen. Glücklicherweise tappt der Wagner-Novize Voges aber nicht in die Nazi-Falle, sondern nennt den Roman «Die letzte Versuchung Christi» von Nicos Kazantzakis als Inspirationsquelle – und deutet den Titelhelden als Spiegelung der Christusfigur.
Tannhäuser trägt in Dortmund also ein weißes Schlabbergewand und Dornenkrone, was ihn nicht daran hindert, zu Beginn im Venusberg – hier eine kleinbürgerliche Behausung mit Mobiliar der späten ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Mülelr
Das Enfant terrible Francis Poulenc, das – wie Jean Cocteau es beschrieb – «splitternackt auf Parties herumtollte und sich dabei wohlfühlte, als würde er eine Mönchskutte tragen», spiegelt sich auch in seinen Liedern. Etwa 150 davon hat der Komponist geschrieben, lustvoll zwischen Frivolität und christlicher Demut changierend, die meisten für den Bariton Paul...
Der erste Eindruck: Da hat einer ganz genau hingeschaut. Aus nächster Nähe. An jedem Augenaufschlag, jedem Tonfall, jedem Fingerzeig gefeilt, bis nichts mehr zu sehen war von der Anstrengung, der Konzentration, ohne die es keine Wahrhaftigkeit gibt im Spiel auf der Bühne. Und: Da hat einer ganz genau hingehört. Sich tief in die Noten versenkt. In das Farbflimmern,...
Singen sei, so verfügte einst der hier stellvertretend zitierte William James Henderson («The Art of Singing»), die «Interpretation eines Textes mit Tönen, die von der menschlichen Stimme produziert werden». Henderson fügte hinzu: mit «schönen» Tönen – womit immer auch die dramatisch richtigen gemeint sind. Singen wird hier, als verstünde sich dies von selbst, mit...
