Existenzielles Hören
Vielleicht hört den inneren Klang der Sprache und das Sprechen des Klangs besonders klar, wer alle Gewissheiten verloren hat. Wer sich der Leere einer selbstgewählten Aphasie aussetzt, Halt im Flugsand sucht. Wer das Nichts, die Stille als Resonanzraum wiederentdeckt. Und so Laute, Silben, Wörter, Geräusche, Töne, Melodien, Harmonien: die Grundstoffe jeder Sprachmusik und jeder Musiksprache wie Naturkräfte wahrnimmt, Lichtzeichen am dunklen Himmel.
Das Musiktheater Beat Furrers hat keinen festen Ort, keine festen Formen, keine lineare Handlung.
Es sind Stücke auf der Suche, aus Bruchstücken gefügte Fragen, immer im Fluss. Meditationen über Herkunft, Gegenwart und Zukunft, denen der Zweifel, die Verunsicherung eines unbehausten, forschenden Ichs eingeschrieben ist, das sich immer wieder neu erfinden muss. An der Grenze von Werden und Vergehen, Leben und Tod. Inspiriert durch Texte, die von der Antike bis ins Heute führen. Sechs «Opern» hat Furrer bislang geschrieben (darunter «Fama» und «Begehren»), eine siebte («La bianca notte») wird im Mai an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt. Fünf Jahre nach dem «Wüstenbuch», das dank des Labels Kairos inzwischen als Mitschnitt einer ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann
In Verdis «Don Carlos» hat die Macht eine Stimme. Doch anders als der Großinquisitor bleibt sein französischer Verwandter Kardinal Richelieu in diesem Stück stumm – ein dunkler Fürst, der nun, provoziert vom Marquis de Cinq-Mars, für einen Zeithauch ins Wanken gerät. Einiges erinnert bei Charles Gounod an das Kräfteviereck im populären anderen Werk. Auch bei Gounod...
Es ist eine alte Geschichte, doch für die Betroffenen bleibt sie stets neu: Ein Mann verlässt seine Frau und nimmt sich eine Jüngere. Aber die Frau rächt sich. Erst will sie die Kinder töten, dann mit dem Mann und dessen neuer Geliebter abrechnen. Schließlich bringt sie sich um. Vincenzo Bellini und sein Librettist Felice Romani haben aus dieser Boulevard-Tragödie...
Auf dem Weg ins Untergeschoss des Schweizerischen Verkehrsmuseums durchquert man eine Halle, die voller ausrangierter Flugzeuge hängt, Einmotorer, fliegender Kisten aus der Pionierzeit der Luftfahrt. Durch diese Szenerie erwartungsvoll eingestimmt, nimmt man auf einer der beiden Seitentribünen Platz, die die langgestreckte Spielfläche flankieren. Am Kopfende ein...
