Doppelspitze
Im Moment der Entgegennahme des freundlichen Auftrags der Redaktion, einen lobpreisenden Text über die Sopranistin Anja Harteros und den Tenor Jonas Kaufmann zu schreiben, mehr noch im Moment der wenig später erfolgten Zusage überkam mich eine Schreibhemmung.
Schon wieder Kaufmann? Für den in den vergangenen Monaten genug Lametta in den deutschen Blätterwald gehängt wurde? Für diesen Strahlemann, diesen Hoffnungsträger, diesen Vorzeigehelden Kaufmann? Muss das denn sein? Kann man den Mann nicht einfach, von uns Journalisten unbesungen, seine Arbeit tun lassen, die ihm in zahllosen Momenten nun wirklich beeindruckend von der Kehle geht?
Ja, das müsste man. Andererseits sind Kaufmann und Harteros seit ihrem Münchner «Lohengrin» und seit der fast postwendend eingetroffenen und weiß Gott hoch frankierten Jubelpost der «Opernwelt»-Kritiker eine geradezu unübersehbare Doppelspitze der Gesangskunst, dass der Auftrag natürlich auch eine Ehre ist. Vor allem, wenn es sich um das doppelte Präsidialvotum «beste/r Sänger/in» handelt.
Tief innen hat mich diese Münchner Premiere über alle Maßen gefreut. Denn: Man konnte Bedenken haben. Vor allem um Kaufmann musste man bangen, ob die vokalen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Sängerin und Sänger des Jahres, Seite 4
von Wolfram Goertz
Herr Delnon, bei Ihrem Amtsantritt vor drei Jahren hatten Sie die Vorgabe, drei Millionen Schweizer Franken aus dem Etat des Theaters einzusparen. Wie war das möglich?
Delnon: Eigentlich gar nicht. Ich habe immer wieder versucht, das dem Aufsichtsrat begreiflich zu machen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, die Sparsumme zu reduzieren und von den Reserven des...
Oper ist kein Sport. Doch gelten auch in Opernbetrieben selbstverständlich ein paar zivilisatorische Grundregeln, die denen auf einem Bolzplatz vergleichbar sind. Zum Beispiel die, dass es nach einem fetten Foul die rote Karte gibt und dass nicht zwei auf einmal Erster werden können. Eine Besonderheit, die ein Opernhaus von einem Fußballverein unterscheidet, ist...
Der Berliner Komponist Christian Jost beschreibt seine Musik – nicht nur seine Bühnenmusik – gern als «Reise». Die Metapher ist mittlerweile reichlich abgegriffen. Jede zweite Performance wird heute als «Expedition» zu irgendetwas ausgegeben. Bei Jost hat der Begriff jedoch nichts Modisches. Sein Werk ist eine über nahezu zwei Jahrzehnte hin erstaunlich konsequente...
