Das Auge über dem See
Vermutlich nie zuvor gab es ein Bühnenbild, das von so vielen Menschen gesehen wurde. Bei der Fußball-EM im vergangenen Juni nutzte das ZDF die Bregenzer Seebühnenoptik mit dem magischen blauen Riesenauge vor der dunklen Wand als Kulisse für die kommentierende Präsentation jenes Sportevents.
Bereits in der Vorjahressaison hatten rund hunderttausend Besucher der Freiluftoper am Bodensee diese atemberaubende Verbildlichung der «Tosca» angeschaut – und dank des Fernsehens dann Millionen, von denen viele kaum eine Ahnung von Gestalt und Inhalt der Puccini-Oper und vom dramaturgischen Sinn des spektakulären Bühnenbildes mit dem Auge gehabt haben dürften. Nicht genug: Auch in dem neuen James-Bond-Film taucht dieses effektvolle Arrangement wieder auf; in Bregenz weist man voller Stolz darauf hin, dass die «Tosca»-Kulisse und andere Originalschauplätze der Stadt mit mehr als sieben Minuten fast zehn Prozent der Gesamtdauer des Films repräsentieren. Seebühnen-«Tosca» forever, und damit auch ein erklecklicher Sonderruhm für den bildnerischen Urheber Johannes Leiacker.
In gewissem Grad war dieser Durchstich zum weltberühmten Emblem ein schöner Zufall – etliche frühere Seebühnen-Szenerien ...
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