Angestellte im Cyberspace
Der flämische Schauspielregisseur Ivo van Hove und sein Bühnenbildner Jan Versweyveld entwarfen ein spannendes, sehr interessantes Konzept für den «Ring». Sie zeigen nicht den Rhein, sondern ein hypermodernes Rechenzentrum. Monitore, Laptops, Büros und jede Menge edel gekleidete Menschen. Überzeugendes Abbild unserer coolen Informations- und Spekulationsgesellschaft. Alberich – phänomenal von Werner van Mechelen gesungen – steht mitten in dieser Hightech-Angestelltenwelt, er scheint sich wegen einer verpassten Beförderung zu grämen.
Nicht drei, sondern acht seiner Kolleginnen machen ihn an, nur um ihn wieder abblitzen lassen zu können. Das Rheingold ist hier der alles entscheidende Chip, der das gesamte Computernetzwerk steuert. Als Alberich diesen Chip raubt, gerät alles ins Stocken, die Szene verdüstert sich, auf den Bildschirmen flimmert nur noch Schnee.
Radikale Aktualisierung alter Stoffe hat oft einen hohen Preis: Leicht produziert sie, ungewollt, manch lächerlichen Anachronismus und peinlichen Widerspruch; die Mischung der Zeitebenen und Handlungsmotive wirkt dann nicht selten unfreiwillig komisch. Das gilt zumal für die mythologische Welt Wagners. Van Hove und Versweyveld ...
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