Gillett trifft... Michael Kraus

Opernwelt - Logo

Als ich Michael Kraus zum ersten Mal in Glyndebourne begegnete, beeindruckten mich nicht nur seine Stimme und Bühnenpräsenz, sondern auch die nüchterne Haltung zum Sängerberuf. Er ist ein Künstler, der Lob scheut, sich nichts vormacht. Beste Voraussetzungen für die Aufgabe, die er ab 2020 übernimmt: die Leitung des neuen Opernstudios an der Wiener Staatsoper.

Michael, glaubst du, dass deine frühe Erfahrung als Inspizient eine gute Vorbereitung auf dein Sängerleben war? Ich erwähne das, weil du mir wie jemand vorkommst, der einen sehr pragmatischen Zugang zu unserem Beruf hat. Du wirkst ziemlich immun gegen Schmeicheleien und andere Dummheiten.
Ausschlaggebend war dabei weniger, dass ich Inspizient war, sondern vielmehr wo: bei den Salzburger Festspielen. Ich war bereits oft als Statist an der Wiener Staatsoper beschäftigt gewesen, als man mir damals den Job anbot. Zuerst als Aushilfe, aber schon im folgenden Jahr saß ich am Inspizientenpult bei «Don Giovanni» mit Größen wie Karl Böhm und Jean-Pierre Ponnelle! Heute weiß ich, dass meine fünf Festspieljahre in Salzburg die großartigste «Sommeruniversität» waren, die sich denken lässt. Ich habe dort Karajan, Dietrich Fischer-Dieskau, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Sinn fürs Verspielte

Karlheinz Stockhausens monumentaler Musiktheaterzyklus «Licht» scheint Konjunktur zu haben: Anfang Juni hatte das Holland Festival mit 14 Stunden immerhin die Hälfte in Szene gesetzt, vier Wochen später realisierte nun Le Balcon zwei Vorstellungen des «Samstag» in Paris, nachdem es im vergangenen Herbst bereits den «Donnerstag» an der Opéra Comique herausgebracht...

Altmeister ziehen immer

Nicht nur im Vergleich mit den beiden anderen deutschen Festivals zu Ehren des Meisters (in Göttingen und Karlsruhe), sondern weltweit bieten die Hallenser Händel-Festspiele Halle das größte Barockmusik-Fest seiner Art. In diesem Jahr waren es an 17 Juni-Tagen 111 Veranstaltungen mit 58 000 Gästen, die Auslastung lag bei 87 Prozent. In puncto künstlerischer Rang...

Stabwechsel in Sanssouci

Die Fürstin saß selbst am Cembalo. Sophie Charlotte hatte Giovanni Bononcinis Oper «Polifemo» nicht nur in Auftrag gegeben, sie war auch an der Uraufführung beteiligt, die 1702 im späteren Schloss Charlottenburg stattfand. «Wer sich fragt, woher Friedrich II. seine künstlerische Ader, seine Vorliebe fürs Flötenspiel hatte – hier ist die Antwort: von der...