Die Welt ist dümmer geworden
Am Montag, dem 12. Juni befand ich mich am frühen Abend mit dem Auto in der Nähe des Holledauer Dreiecks. Links und rechts Hopfenfelder. Um sechs Uhr meldete der Nachrichtensprecher im Radio: «Der Komponist György Ligeti ist heute Vormittag in Wien gestorben. Er war dreiundachtzig Jahre alt.» Die Nachricht wirkte auf mich wie Schock, überwältigend trotz der langen Krankheit, die schon länger das Schlimmste (für die Mitwelt) befürchten ließ. Für den Kranken war es die Erlösung.
Die dutzendfach parallel gespannten Hopfendrähte erschienen mir plötzlich wie die sechzig Notensysteme der «Atmosphères» von 1961, die tausende Hopfenranken wie ein strukturelles Abbild der Musik Ligetis: Alle gleich, aber alle verschieden. Pflanzenmikropolyphonie. Die Wolken am Himmel wurden zu ihrer eigenen Metapher von Ligetis «Clocks and Clouds», und die Hupe des drängelnden Hintermanns kam aus der Ouvertüre zu «Le grand Macabre» – der einzigen Oper Ligetis nach der einzigen «Anti-Oper» der «Aventures & Nouvelles Aventures». Es fällt schwer, über jemand zu schreiben, den man gekannt hat. Wo hört das Objektive auf, beginnt das Private?
Wie andere – und wie er selbst wohl auch – hatte ich versucht, den ...
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Dass sich mit lizenzfreien historischen Aufnahmen ein schneller Euro machen lässt, hat sich unterdessen herumgesprochen, und die Billig-Labels sprießen wie Pilze aus dem Boden. Da werden die Archive der Rundfunkanstalten geplündert, dass man nur staunen kann. Meist wird dabei gedankenlos abkopiert, für klangtechnische Verbesserungen ist ebenso wenig Geld da wie für...
Seit 1997 bietet das «Festival Amazonas de Ópera» jährlich ein mit Bedacht gemischtes Programm, darunter nicht nur das gängige Repertoire, sondern etwa im Vorjahr den in grandios konzentrierter Anstrengung gestemmten «Ring»-Zyklus, die erste brasilianische Gesamtaufführung (siehe OW 7/2005). Natürlich finden sich auch Werke einheimischer Komponisten, von Carlos...
Ein Abend ohne Fußball. Auf den Rasenflächen des Bockenheimer Depots hoppeln Kaninchen. Dreischiffig wie eine Basilika liegt das alte Straßenbahndepot da. Ziegelmauern und eine filigrane, hölzerne Dachkonstruktion. Drinnen eine nach vorn abfallende Holzbühne. Darauf das verkleinerte hölzerne Skelett des Depots. Dahinter ein Sommerhimmel, weißblau (Ausstattung:...
