Vom Ohrensehen und Augenhören
Im Reich der Sinne herrschen offenbar ähnliche Zustände wie in Politik und Gesellschaft: Nicht immer hat der Bessere die größere Lobby. Denn obwohl die Welt gegenwärtig eindeutig das Auge hofiert, scheint das Ohr doch das differenziertere, präzisere Organ. Das Auge schätzt, das Ohr misst, stellte der deutsche Jazzguru und Nada-Brahma-Jünger Joachim Ernst Berendt immer wieder fest.
Wie dem auch sei: Die Beziehung der beiden ist zumindest in der Kunst nicht immer harmonisch, oft prekär, von Machtkämpfen gezeichnet – man denke an die Zulieferdienste der Musik im Film, oder umgekehrt an die Bebilderung von Musik in Produktionen des Musiktheaters, beim Vertanzen absoluter Musik beispielsweise.
Das Festival «Wien Modern» widmet sich seit Jahren dem Phänomen der ineinander verhakten Strukturen von Akustik und Optik, durch die gleichsam Bilder hörbar und Musik sichtbar werden. Nach der groß angelegten Retrospektive John Cage vor einigen Jahren umkreiste es in diesem Jahr die Œuvres des großen Klangvisionärs Edgard Varèse und des Soundarchitekten Iannis Xenakis.
In Linz wiederum beschäftigt sich die Ausstellung «See this Sound. Versprechungen von Bild und Ton» im Museum «Lentos» mit der so ...
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