Dunkler Sog

Wagner: Die Walküre
Göteborg | Operan

Opernwelt - Logo

Die «Walküre» wartet mit den Kulissen auf, die wir schon aus dem «Rheingold» kennen (siehe OW 1/2019). Allerdings wurden etliche der Pressspantafeln aus den hohen Wänden gebrochen und liegen trümmergleich am Boden. An Göteborgs Opernhaus ist die Zersetzung von Alison Chittys Einheitsbühne, die in «Siegfried» und «Götterdämmerung» fortgeschrieben werden soll, längst im Gange. Zum Abschluss hintereinanderweg aufführen wird man die Teile dieses ersten «Rings» am Ufer des Göta älv nicht: Das Skelett des einen gibt es im nächsten schon nicht mehr.

Stattdessen wird der gesamte, so «grün» wie möglich produzierte Wagner-Zyklus per 360-Grad-Technik dokumentiert. Zur Auffrischung kann man sich im Foyer einen Neun-Minuten-Schnitt des «Rheingold» anschauen, per VR-Brille, mit körniger Auflösung, aber vollem Raumgefühl.

Auf der Drehbühne kreisen zum Vorspiel langsam Schwangerschaftsbäuche vorbei, stößt Wotan das Schwert in die Weltesche. Das Wälsungen-Zwillingspaar tritt im Kindsalter auf und wird getrennt, ehe schließlich der erwachsene Siegmund in Hundings sparsam möblierter Ikea-Hütte taumelt. Der scheidende Künstlerische Leiter des Hauses, Stephen Langridge, lädt dem Stück nichts auf, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Fröhliche Wissenschaft

Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...

Unermesslich schön

Chi scherza con Amor, scherza col fuoco: Wer mit der Liebe spielt, spielt mit dem Feuer. So ist, so war es immer. Auch der Titelheld in Giovanni Antonio Borettis «Eliogabalo» weiß um die Tücken dieses (allzu) leichtfertigen Umgangs mit der wichtigsten Nebensache der Welt. Und doch hat ihm der Schöpfer eine Musik in die Kehle gelegt, die vor Vergnügungssucht nur...

Punktgenau

Wie der «kleine Tod» klingt? Nicht als Naturlaut notabene, sondern als musikästhetisches Konstrukt? Richard Strauss bemühte dafür hochfliegende Streicher und Hörner, Tremoli, Holzbläsertriller und Har­fenglissandi. Bernhard Lang greift in seinem Erotikkarussell «Der Reigen» nach Arthur Schnitzler auf eine «spermatozoische Spezialstruktur» zurück, «bestehend aus...