Vorliebe für Außenseiter
Jeder große Künstler würde gern der letzte Mohikaner sein – oder der erste Mensch. Wir leben ja immer noch im Zeitalter des Originalgenies – auch, wenn dieser altehrwürdige Sturm und Drang-Begriff aus der Mode kam und längst durch neue, mit dem Zeitgeist von Copy & Paste kompatiblere Worte ersetzt worden ist, wie «Freak» oder «Ikone». Aribert Reimann ist weder das eine noch das andere. Er ist aber auch kein Geschichtspessimist, trotz seiner Vorliebe für die Nachtseiten des Lebens, die Ausgestoßenen, das Apokalyptische.
Was nicht nur Stoffauswahl und Quintessenzen seiner Werke geprägt hat, sondern sich, auf immer wieder andere Weise, unmittelbar in den Details seiner Musiksprache niederschlägt, in Form und Faktur, Klangbild und Instrumentalfarben. Tanz und Gelächter, Glück und Küsse kommen in Reimanns musikalischem Kosmos so gut wie nie vor. Stattdessen: Lamentogesten, geteilte Bratschen, dominierende Bässe, Schlagzeuggewitter und ein allzeit weit ausgreifendes Melisma, als Espressivo-Apotheose der leidenden, kämpfenden, sich entäußernden Menschenstimmen.
Eine schwarze Spur der Melancholie zieht sich unüberhörbar durch sein Œuvre, quer durch die frühen, ernsten Liedkompositionen ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 32
von Eleonore Büning
Als er vor sieben Jahren zum ersten Mal «Sänger des Jahres» wurde, gehörte er noch zum Ensemble der Frankfurter Oper. Es war die Zeit seiner Debüts an der Mailänder Scala und der Berliner Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen und in Glyndebourne. Dort gastierte Johannes Martin Kränzle seinerzeit mit jener Partie, die ihn 2014 an die Met, 2017 nach Covent...
In der vergangenen Spielzeit machten diese neuen Stücke den stärksten Eindruck: Heinz Holligers «Lunea» nach Nikolaus Lenau in Zürich (die «Uraufführung des Jahres»), Aribert Reimanns «L’Invisible» nach Maurice Maeterlinck an der Deutschen Oper Berlin, Toshio Hosokawas «Erdbeben. Träume» nach Heinrich von Kleist in Stuttgart und Arnulf Herrmanns «Der Mieter» nach...
Herr Loebe, Sie sind seit 16 Jahren Intendant in Frankfurt. Was macht das Fundament eines guten Opernhauses aus?
Wichtig ist, dass die Kollektive – Orchester und Chor, aber auch Bühnentechnik, die verschiedenen Abteilungen – wie selbstverständlich auf einem hohen Niveau arbeiten, auf dem man immer noch etwas herauskitzeln kann. Wir haben in Frankfurt die Situation,...
