Eine Gardine macht noch keinen Brecht
Eine Boulevardzeitung fühlte sich gleich zu einer Umfrage provoziert: Ob München lieber den alten Rigoletto wiederhaben wolle? Jene Version, mit der Doris Dörrie im Jahre 2005 Verdi auf den Planeten der Affen schoss und dabei Regie-Totalschaden erlitt? Das Ergebnis ist (noch) nicht bekannt. Viel deutet jedoch darauf hin, dass die Bayerische Staatsoper nach der Regenzeit in der Traufe gelandet ist.
Dabei sind die Absichten des Ungars Árpád Schilling aller Ehren wert. Rigoletto als Generationenzwist, als Tragödie der Loslösung, als Tochterbefreiung à la Senta.
Dazu eine Reduktion auf wenige Zeichen. Ein abstrahierendes Theater, das nicht unbedingt eine lineare Geschichte erzählen will. Auf zwei fahrbaren Tribünenteilen sitzen Chor und Statisterie – eine bedrohliche, maskierte, die Weiblichkeit begaffende Masse, aus der sich Rigoletto und Duca lösen. Ein Vorhang trennt Öffentlichkeit von Zweisamkeit. Doch eine Gardine, so groß sie auch sein mag, macht noch keinen Brecht. Und je länger der Abend dauert, desto mehr wird offenkundig: Schilling, der Schauspiel-Experimentator, scheint bei der kleinen Form besser aufgehoben als im Nationaltheater.
Unschlüssig ist vieles, uneindeutig, nur ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Lange Zeit war in der Opernlandschaft Nordrhein-Westfalens Wuppertal die wichtigste Adresse für Salvatore Sciarrinos fragiles Musiktheater. Seit 2002 wurden dort nicht weniger als vier seiner Opern in zumeist exemplarischer Weise (in Koproduktion mit Schwetzingen) gezeigt, 2009 kam La porta della legge zur viel beachteten Uraufführung. Mit dem Niedergang des...
Zum Auftakt lautes Telefonklingeln. Kein Handy, denn auf der Bühne springt ein Anrufbeantworter an: Michael, Tanja Ariane und Paula sind nicht zu Hause, tönt es vom Band. Doch dann stürmen sie schon ins schicke Loft: Michael Nagy (Giulio Cesare), Tanja Ariane Baumgartner (Cornelia) und Paula Murrihy (Sesto) samt Partygefolge. Die Stimmung kippt, als ein Geschenk...
Herr Selig, spielen Sie eigentlich noch Orgel?
Ab und an. Aber nicht mehr in der Kirche. Seit ein paar Jahren habe ich zu Hause eine digitale drei-manualige Kirchenorgel. Leider finde ich selten genug Zeit zu spielen.
Was haben Sie von der Orgel fürs Singen mitgenommen?
Direkt vom Instrument wenig.
Vom Kirchenmusiker zum Sänger ist der Weg aber so weit nicht…
Gesungen...
