Der Mensch im Schrank
Zweimal Fabrice Bollon. Der neue Freiburger GMD – nach zwei Interims-Spielzeiten mit Patrik Ringborg und Gerhard Markson – erschien bei seinem Amtsantritt gleich doppelt. Als Dirigent von Carl Maria von Webers «Freischütz» entpuppt er sich weniger als brütender Romantiker denn als Klassizist eines betont offenen, kammermusikalisch ertüftelten und im Instrumentarium «historisch» angereicherten, indes auch etwas geheimnislosen Orchesterklangs.
Bisweilen (Jägerchor!) wirkten die Tempi abenteuerlich angezogen, nachgerade exzentrisch wirbelte die Pauke: eine betont rhythmisierte, fast schon tänzerische Auslegung der Partitur. Spätabends, in der umfänglichen «Zugabe» von Mauricio Kagels Musikepos «Der mündliche Verrat», einem weiteren Werk, in dem der Teufel ein (Sprich-)Wort mitzureden hat, dann der rühmlich bekannte Avantgarde-Interpret Bollon, die sieben philharmonischen Abgesandten mit sicherster Hand durch das gewitzt-hintersinnige Konglomerat aus neuem und betagtem (Salon-)Vokabular lotsend.
In Marcus Lobbes‘ Inszenierung gedieh Kagels gute Stunde zu einer mehr und mehr unterhaltsam sprücheklopfenden Diabologie bei extremer Anforderung an die Schauspieler Charlotte Müller, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bellinis komplettes Opernschaffen in einer kleinen handlichen Kassette zu veröffentlichen, verbunden mit einer CD-ROM, die alle Libretti in italienischer Sprache enthält, sowie mit einem fachkundigen Booklet-Aufsatz des Bellini-Spezialisten Friedrich Lippmann – das ist eine glänzende Idee. Denn anders als seine Kollegen Rossini und Donizetti, die er als Rivalen...
Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arkadien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre...
John Dews mutiger Versuch, Gustave Charpentiers einst ungeheuer erfolgreiche «Louise» von 1900 zusammen mit ihrer (dramaturgisch und harmonisch) ungleich moderneren Fortsetzung «Julien» (1913) am Dortmunder Theater neu zu entdecken, blieb vor acht Jahren ein Einzelfall – die Vorlieben unserer Ahnen sind eben nur bedingt zu revitalisieren. Im Fall der «Louise» ist...
