Die Hoffnung stirbt zuletzt
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und Wiedergänger gerieren. Sartres «Huis clos» ist nahe, aber auch «Night of the Living Dead». Doch davon später.
Zunächst folgen wir Bertrand de Billy und den Wiener Symphonikern beim Zelebrieren des Vorspiels, das im Kontrast zum Bühnendekor ein nostalgisches Rokoko beschwört. Zierlich und elegisch, zugleich mit reifer Süße kommt das berühmte Sextett daher, ein ZuckerWatteau gewissermaßen, was uns unwillkürlich an Marie Antoinette denken lässt. Wird der Gattin Louis’ XVI. doch nachgesagt, auf den Hinweis, die Armen hätten kein Brot, entgegnet zu haben, «dann sollen sie eben Kuchen essen». Ob wirklich sie dies sagte, ist zweifelhaft; auf jeden Fall aber spiegelt das Zitat jene zynische Realitätsflucht des Ancien Régime, die auch Marie Antoinette schließlich den Kopf kostete. Mit seinem im Rokoko angesiedelten, 1942 ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.
Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche...
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
