Vita lirica
Wie ein Goldregen senkt sich der Klang ihrer lyrischen Sopranstimme auf die Hörer. Mit dem Gnadengeschenk eines erlesenen Timbres hat die Natur Mirella Freni bedacht, es verzaubert mit der «Fülle des Wohllauts». Der sinnliche, der schöne Ton – das ist keineswegs ein sängerischer Narzissmus, der sich im suono estetico gefällt, sondern, wie Theodor W. Adorno betonte, ein entscheidendes Moment jeder großen Interpretation.
Man lausche bloß dem amoroso-Klang, den Mirella Freni in der «Figaro»-Aufnahme unter Colin Davis für die Rosenarie der Susanna wählt, um der Ambivalenz der Szene inne zu werden: des erotischen Doppelspiels, mit dem Susanna den lauschenden Figaro foppt und zugleich sinnliches Glück verspricht.
Mirella Freni (ursprünglich Fregni) stammt, wie der wenige Monate jüngere Luciano Pavarotti, aus Modena. Schon als Kind singt sie. Es liegt in der Familie: Ihre Großmutter Valentina Bartomesi war in den 20er-Jahren eine bekannte Sopranistin. Bei ihrem ersten Opernbesuch erlebt Mirella Freni die große Sara Scuderi als Tosca, später hört sie Lina Pagliughi und Beniamino Gigli in «Lucia di Lammermoor». Sie studiert bei Ettore Campogalliani und debütiert 1955 als Micaëla. Ein Jahr ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Jürgen Kesting
Im Zuge der italienischen Opernkrise hat nach nur zweieinhalb Jahren im Amt auch Nicola Luisotti im vergangenen Oktober seinen Rücktritt vom Posten des Musikdirektors am Teatro di San Carlo in Neapel verkündet. Doch anders als Riccardo Muti in Rom scheidet Luisotti mit Anstand: Er hat dem Management, dem Mitarbeiterstab, seinem neapolitanischen Publikum und der...
Das Plakat – roter Schriftzug auf knallblauem Grund: «gaertnerplatztheater.de» – könnte auch ein riesiges Trostpflaster sein. Es scheint an den dreifach gestapelten Containern zu kleben und lenkt ab noch von manch anderem: vom Riesengerüstgitter, vom Kranballett und von der Grube hinterm Haus. Wer in diesen Wochen an der Baustelle vorbeikommt, dem fällt der...
Ran an die Raritäten
Erfurt macht «Sigurd» von Ernest Reyer, Osnabrück Manfred Gurlitts «Soldaten» und Oldenburg Mieczyslaw Weinbergs «Der Idiot». In Frankfurt gibt’s Antonio Cestis «L’Orontea», in Paris André Campras «Les Fêtes venitiennes» – der nächste Monat bringt Randständiges im Überfluss.
Wahn, Wahn, Wahn
Diana Damrau singt an der Bayerischen Staatsoper eine...
