Verdi: Don Carlo

Pforzheim

Opernwelt - Logo

Über dem Musiktheater in der Goldstadt Pforzheim liegt der Schatten der jeweils nur eine halbe Bahnstunde entfernten Konkurrenz in Karlsruhe und Stuttgart. Mit dem Mut der Verzweiflung fordert der Pforzheimer Opernchef und GMD Jari Hämäläinen die beiden Staatstheater auf deren ureigenstem Gebiet, der gro­ßen Oper, heraus. «Fidelio», «Tosca» und «Don Carlo» standen in dieser Spielzeit auf dem Programm, «Tannhäuser» und «Otello» sind für die kommende Saison geplant.

Ob das angesichts der beschränkten künstlerischen Ressourcen und der räumlichen Situation des fünfhundert Zuschauer fassenden Hauses Sinn macht, darf bezweifelt werden. Dass es anders geht, führt in der Region im Moment mit Fantasie und Erfolg Heidelberg vor. Verdis «Don Carlo» jedenfalls war ein zweifelhaftes Vergnügen und das nicht nur wegen der unsäglich einfallslosen, aus Regensburg übernommenen Inszenierung des früheren Pforzheimer Intendanten Ernö Weil. Bei der Wahl zwischen der vier- und der fünfaktigen Fassung hat man sich für die musikalisch unmögliche Lösung des Kompromisses entschieden und dem Klosterbild das aus dem Fontainebleau-Akt herausgeschnipselte Duett Elisabeth/Carlos als eine Art Prolog vorangestellt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
In Zukunft wird alles anders

Die Alarmzeichen stehen auf Rot. New York steckt in einer ernsten Opernkrise, und das nicht erst seit gestern. Die Metropolitan Opera, mit 3995 Plätzen eines der größten Häuser der Welt, setzt zu wenige Karten ab, viel zu wenige. Bis vor etwa fünf Jahren konnte man davon ausgehen, dass das Haus jeden Abend ausverkauft war, dafür sorgten allein schon der Mythos Met,...

Editorial

Wie viele Opernhäuser braucht eine Stadt? Die Frage lässt sich nicht aufs Geld reduzieren. Sie hat genauso mit Ästhetik, Publikumsstrukturen und gewachsener Geschichte zu tun. Im Grunde ist sie eine nach der Aktualität der Gattung selbst. Und sie stellt sich als solche nicht nur in Berlin, wo die frisch gegründete Opernstiftung bereits ziemlich alt aussieht und die...

Don Quichote in mannigfacher Gestalt

Bellezza, verità e vanità – das Schöne, das Wahre und die Ware. Das ist nicht ganz korrekt übersetzt, doch entsprechen einander die kritischen Anzüglichkeiten. Ist es ein Sprachscherz des Hegel’schen Weltgeistes über die Mentalität der Völker? Die Wortspiele, die der klassischen Dreiheit vom Schönen, Wahren und Guten ans Leder gehen, zielen bei den Teutonen auf den...