Allzu abstrakt
Dieses Ende frappiert: Statt Liebesfeuer gibt es eine eiskalte Dusche: Wo Puccini Gefühlsexplosionen zünden wollte, setzt in Valentin Schwarz’ Darmstädter «Turandot»-Inszenierung prasselnder Regen ein. Und die Aufführung endet genau dort, wo die originale Komposition abbricht. Bis zu seinem Tod hatte Puccini mit dem Finale gerungen. Doch eine Conclusio, die den Prinzen Calaf und die männermordende Turandot in erlösendem Liebesglück miteinander vereinen würde, wollte ihm einfach nicht gelingen. Das Werk blieb Fragment.
Schwarz verzichtet nun auf das nachträglich komponierte lieto fine des Puccini-Schülers Franco Alfano ebenso wie auf die attraktiv-verschattete Finalversion von Luciano Berio aus dem Jahr 2002. Mit Blick auf jene dunkle Sackgasse, in die der Komponist in seinem vergeblichen Bemühen geraten war, die Oper fertigzustellen, erscheint die Entscheidung durchaus plausibel. Allerdings bringt die entstandene Leerstelle die Statik des Librettos erheblich ins Wanken.
Um dem Torso dramaturgisch auf die Sprünge zu helfen, setzt der österreichische Jung-Regisseur neue Schwerpunkte. Nicht auf Turandot lenkt er den Fokus, sondern auf (den ihr verfallenen) Calaf. Die Inszenierung ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Silvia Adler
Ach, das waren noch Zeiten in Salzburg. Damals, bei den Osterfestspielen. Herrlich unbeschwert. Jedenfalls solange Herbert von Karajan der König war. Von 1967 bis 1989 leitete er das Gourmet-Festival, als Maestro, Regisseur, Lichtgestalter und Programmdirektor. Mit einer Aufführung von Richard Wagners «Walküre» hatte er es am 19. März 1967 eröffnet, um freie Bahn...
Beau est noir et noir est beau – Schönheit ist schwarz, und das Schwarze ist schön.» Raunende Weisheiten dieser Art durchziehen das Textbuch zu «Macbeth Underworld», das der Schriftsteller Frédéric Boyer für Pascal Dusapin gedichtet hat. Boyer ist vertraut mit den alten, den ewigen Wahrheiten: Als Übersetzer hat er sich in die Bibel, die Bekenntnisse des heiligen...
Die Inszenierung? Nun ja, umstritten war sie. Wild, hemmungslos, chaotisch (OW 11/2018). So, als habe Jan Lauwers sich von Monteverdis frühbarocker Üppigkeit in «L’ incoronazione di Poppea» inspirieren lassen zu einer schwindelerregenden danse erotique, in dem die menschlichen Leidenschaften ganz und gar unplatonisch waberten und alle Vernunft über Bord gekippt...
