Frauenpower
Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben hinreichend unterscheiden. Kaum minder anspruchsvoll ist es, das Werk szenisch zum Sprechen zu bringen.
Vivaldi war zwar eigentlich ein Mann der Oper, gleichwohl besitzt «Juditha Triumphans» deutlich weniger dramatischen Puls als etwa Händels englische Oratorien.
In dem Stück gibt es nur wenige echte Opernmomente, dafür viel Stillstand, wenngleich in reizvollster musikalischer Ausführung. Zugrunde liegt die biblische Geschichte der Stadt Bethulien, die vom assyrischen General Holofernes belagert und von diesem durch die jüdische Witwe Judith befreit wird, indem sie ihn bezirzt, betrunken macht und dem Schlafenden schließlich mit seinem eigenen Schwert den Kopf abschlägt.
Dem niederländischen Regisseur Floris Visser fällt dazu leider nur eine arg überstrapazierte Konvention ein: Er verlegt den biblischen Krieg in die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller
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