Kreativer Pragmatismus
Zum Finale der jüngsten Premiere regnete es rote Rosen aus dem Schnürboden. Da waren nämlich der König und die Blumenverkäuferin mit dem demokratischen Rückenwind von Volkes Stimme auch ganz offiziell ein Paar geworden. Vorher gab es im Operettenstaat Portowa zunächst das Greisenregime einer herrischen Regentin, eine falsche Revolution und einen Verfassungskompromiss zwischen den Vertretern der Dynastie und ihren Untertanen.
So wie es in Ruggero Leoncavallos schmissiger Operette «Die Rosenkönigin» aus dem Jahr 1912 vorgesehen war und jetzt in Erfurt das erste Mal über eine deutschsprachige Bühne ging. Für solche Spielplaneffekte hat Generalintendant Guy Montavon ein Händchen. Solch eine Ausgrabung bringt dem (Operetten-)Fan allemal einen Aha-Effekt, selbst wenn man sich vom Philharmonischen Orchester etwas mehr Esprit gewünscht hätte. So wie es bei der höchst gelungenen Wiederbelebung von Kálmáns selten gespielter «Bajadere» im Jahre 2003 zum Beispiel der Fall war. Für den Höhepunkt seiner laufenden «Bin beim Italiener»-Spielzeit hält Montavon dieses zwar unterhaltsame, aber von Peter Brenner zu bieder in Szene gesetzte Operettenschmankerl selbst nicht. Das steht mit Johann ...
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Als Musiker diverser deutscher Orchester – unter anderem in Dortmund, Hamburg, Magdeburg, München, Oldenburg und Stuttgart – von Ende Januar bis Ende Februar fünfzehnminütige Warnstreiks veranstalteten, um ihrer Forderung nach mehr Geld Ausdruck zu verleihen, hätte das Publikum die Aktionen beinahe gar nicht bemerkt. Vom Kurzausstand betroffen waren nicht Konzerte,...
Nicht jede Gnade muss auch eine Ehre sein. Ernst Pepping beispielsweise findet seinen Namen auf der sogenannten «Gottbegnadeten-Liste» jener Musiker, die dem NS-Staat so schützenswert erschienen, dass sie auf «Befehl des Führers» als «lebendiges Kulturgut des deutschen Volkes» vom «letzten Aufgebot» des totalen Kriegs freigestellt wurden. Und wie Harald Genzmer,...
Janáceks einzige Komische Oper, «Die Ausflüge des Herrn Broucek» (1908-1917), wurde trotz Janácek-Renaissance nicht auf internationalen Bühnen heimisch. Über die Gründe lässt sich spekulieren. Vielleicht ist die Satire der ersten Reise, die den Prager Hausbesitzer (also Rentier) und Spießbürger auf den Mond führt, wo sein selbstgefälliger Materialismus von einer...
