Der lange Weg zum Selbst
Frau Dasch, welche Bedeutung hatten die Eltern für Ihre Liebe zur Musik?
Für meine Eltern war Musik zentral. Sie hatten sich übers Singen kennengelernt, spielten Instrumente und lebten uns vor, dass gemeinsames Musizieren, egal auf welchem Niveau, Spaß macht. Von Familienfesten bis zu Weihnachtsgottesdiensten – es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, ein Programm zusammenzuschustern, bei dem alle irgendwie mittönen konnten. Nicht zu vergessen die legendären Autofahrten mit dem Familienbus von und nach Berlin, Transitstrecke sage ich da nur.
Der Warterei am Übergang Dreilinden verdanken wir unser Kanon-Repertoire.
Sie haben einmal gesagt, Sie hätten mehrere Stimmbrüche durchlebt?
Sagen wir vielleicht besser Stimmwechsel. Im Schulchor habe ich ausprobiert, wie das mit dem Vibrato funktioniert, wie eine Musical-Stimme klingt, wie man die Königin der Nacht singen könnte. Aber das war Spiel, war Spaß, obwohl ich immer im Chor die Soli sang. Die Klarinette, das war mein Instrument, dafür habe ich richtig geübt. Ich träume manchmal schlecht, weil ich bis heute das Gefühl habe, mein eigentliches Instrument verraten zu haben. Ich spielte sehr viel Kammermusik und Schülerorchester, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste. Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie...
Als nach der Premiere von Pietro Mascagnis «Iris» die letzten Gäste das Chemnitzer Opernhaus verlassen, ist vor der Fassade schon das Banner für den nächsten Spieltag festgezurrt. Die «Comedian Harmonists» kommen. Das szenisch in Deutschland zuletzt 1899 (!) aufgeführte Japan-Stück Mascagnis steht erst Ende März wieder auf dem Spielplan. Die Entdeckung muss...
Es sei ein Zeichen von geistesgeschichtlichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müssten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...
