Viva Napoli!

Das Herz Riccardo Mutis schlägt für die italienische Oper – nicht nur für Verdi und Puccini, sondern auch für Komponisten, deren Werke nördlich der Alpen Raritätenstatus besitzen. In Salzburg hat er bei den Pfingstfestspielen Niccolo Jommellis «Demofoonte» aufgeführt, im August folgt dort Rossinis «Moïse et Pharaon». Jörg Königsdorf sprach mit dem 1941 geborenen Stardirigenten über dessen Leidenschaft.

Opernwelt - Logo

Maestro Muti, Sie sind ein leidenschaftlicher Anwalt der Musik Ihrer Heimatstadt Neapel. Umso mehr erstaunt es, dass Sie sich bei Rossinis «Moses» nicht für die neapolitanische Urfassung, sondern für die spätere französische Version entschieden haben...
... weil die zweite Version einfach die bessere ist. Rossini hat hier die Möglichkeit einer Überarbeitung genutzt, um das Stück zu einer echten Großen Oper zu machen. Die Fassung für Neapel ist sozusagen die Embryonalform und daher musikarchäologisch interessant.

Aber wenn ich die Wahl habe, würde ich mich immer für den französischen «Moïse» entscheiden.

Hat sich Rossini für Paris stark an den Geschmack des französischen Publikums angepasst?
Natürlich hat er den Konventionen der französischen Oper Genüge getan und große Ballette integriert. Aber die Dramatik seiner Musiksprache bleibt die gleiche, auch wenn man seine Melodien auf Französisch singt. Ich glaube ohnehin, dass die ernsten Opern Rossinis seine wichtigsten sind – trotz «Barbiere», «L’italiana» und «Cenerentola». Nehmen Sie «Wilhelm Tell», das ist eine Kathedrale der Oper! Mein Lehrer Antonio Votto hat mir erzählt, wie sein Lehrer am Konservatorium von Neapel ihm die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Rezension: Salzburger Festspiele


Opernwelt August 2009
Rubrik: Interview, Seite 26
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Halb gewagt ist frisch gewonnen

Jetzt spüren es auch die Lipizzaner. Elisabeth Gürtler, Chefin des Hotels Sacher, Opernballexpertin und seit einigen Monaten zudem Geschäftführerin der Spanischen Hofreitschule, beklagte bei Letzterer Besucherrückgänge und ein daraus resultierendes Defizit. Staatsoperndirektor Ioan Holender konstatierte schon vor Wochen Einbußen bei sonst überbuchten Vorstellungen...

Viel Unrecht, viel Trost

Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig....

In der Krise helfen nur Komödien

Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...