Präzision und Brio
Im Rückblick hat das Verdi-Jahr 2013 kaum aufregende Erkenntnisse oder gar Neubewertungen hervorgebracht. Umso erstaunlicher, dass nun, zum Ende des Folgejahrs, eine der als problematisch geltenden und deshalb bislang stiefmütterlich behandelten frühen Opern Verdis großes Interesse findet: Die Schiller-Adaption «Luisa Miller» scheint ihr schwieriges Image plötzlich triumphal abzustreifen. Die Neuproduktion der Hamburger Staatsoper (siehe S.
40) trennten nur ein paar Tage von der Premiere des Aachener Opernhauses, wo Regisseur Mario Corradi das Geschehen in ein heutiges Mafia-Milieu überträgt. Wenige Kilometer jenseits der Grenze, am schmucken Opernhaus von Liège, gab es eine dritte Inszenierung. Erwartungsgemäß fiel die Regie von Jean-Claude Fall deutlich konservativer aus. Für inszenatorische Wagnisse ist das Haus nicht bekannt – in den Schaukästen werden nach wie vor als Lockmittel üppige historisierende Kostüme präsentiert.
Allerdings siedelt Jean-Claude Fall die Handlung – eine Intrige um eine nicht standesgemäße Liebe im Abendrot des Feudalismus – weder in der Zeit Schillers noch in der Entstehungszeit von Verdis Oper an, sondern verlegt die Handlung in den italienischen ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
Im Jahr 1645 kamen die Schweden, um Brünn zu belagern. Der Legende nach wollten sie nach einem letzten Angriff im Fall des Scheiterns zu Mittag abziehen – und die listigen Brünner verlegten einfach während der Schlacht das Mittagsläuten eine Stunde vor. Noch heute läuten hier die Glocken um 11 Uhr. Diesen November kam die Schwedin Gitta-Maria Sjöberg und gab...
Er hatte wohl recht, jener Kritiker der halboffiziellen «Gazzetta privilegiata di Venezia», als er Verdis «Simon Boccanegra» nach dem Uraufführungsfiasko im März 1857 «eine vielleicht zu gewaltige, zu ernste Musik» bescheinigte und diagnostizierte, «eine Grabesstimmung» beherrsche die Partitur. Tatsächlich hatte Francesco Maria Piave, der Librettist der Urfassung,...
Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.
Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen –...
