Die Götter sind tot
Verkaufte Bräute, wohin das Auge schaut in Wagners Musikdramen. Eva, Elisabeth, Senta, Elsa, sie alle sind (vom Schicksal?) dazu auserkoren, meistbietend an (gerne fremde) Männer verschachert zu werden. Besonders schlimm trifft es Sieglinde, die Mutter des ersten freien Helden. Noch bevor sie überhaupt weiß, was Freiheit bedeuten könnte, wird sie dieser Freiheit auf brutalstmögliche Weise beraubt.
Markus Dietz zeigt dies in seiner fesselnden (von Christian Franzen herausragend ausgeleuchteten) Kasseler «Walküre»-Inszenierung mit schonungsloser Präzision und, was ungemein bestechend ist, in jedem Takt analog zu Wagners Klängen. Während des blitzdurchsetzten Unwetters, welches die d-Moll-Ouvertüre entfacht, wird eine junge Frau, beinahe noch Mädchen, von einer wilden Männerschar durch die Dunkelheit gejagt, gestellt, mit Fäusten traktiert, schließlich wie ein erlegtes Tier abtransportiert. Jeder Akzent im Graben ist auch auf der Bühne ein Nadelstich, ein Stich ins Herz. Die Frau als Beute. Gedemütigt, geschlagen, geschändet.
Wenn die Musik sich danach auf ein A-Dur-Feld rettet, ins vermeintliche Licht, ist die Atmosphäre bereits vergiftet. Entsprechend atemlos-unglücklich wirkt ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
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