Second Life
Das Anhaltische Theater Dessau bringt zwischen 2012 und 2015 Wagners «Ring» heraus – originellerweise rückwärts, also in der Reihenfolge der Entstehung der Libretti (nicht aber der Partituren!) von «Siegfrieds Tod/Götterdämmerung» bis «Rheingold». Ob das wirklich eine glückliche Entscheidung war, ließ sich am «zweiten» Abend bezweifeln. Erst von André Bückers «Siegfried»-Konzeption aus versteht man, was die Roboter-Bewegungen der «Götterdämmerung» sollen.
Der erste Akt zeigt mit Siegfried und Mime zwei couch potatoes, die sich aus ihrer völlig vermüllten Messie-Bude per Computerspiel in eine Fantasiewelt träumen. Wotans Quizrunde, wo Mime sich wichtigtut, statt die entscheidende Frage zu stellen, wie das «Highscore Sword» zu reparieren sei, findet zwischen Döner und Pizza-Kartons in Günther Jauchs Paralleluniversum statt. Zu den Kollateralschäden der Konzeption gehört, dass Siegfrieds Schmiedelieder nicht zu dem Gehacke auf seinem neuen Cyber Game passen.
Die Kostüme Wotans, Fafners, des Waldvogels und Erdas zitieren dagegen Figurinen der Dessauer Bauhausbühne (nicht, wie oft zu lesen, des Weimarer «Triadischen Balletts»). Sie huldigen wie der an die Kaaba erinnernde, bauhausbunt ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Boris Kehrmann
Als er noch nicht der große Meister war, sondern ein kleiner Kapellmeister mit hochfliegenden Plänen, saß Richard Wagner eines Abends – es wird 1838 gewesen sein – in seiner Rigaer Wohnung und war angeregt von zwei Büchern. Das eine bot Erzählungen von Wilhelm Hauff, darunter das «Gespensterschiff». Das andere konfrontierte ihn mit dem Roman über einen...
Gut möglich, dass sie selbst nicht mehr daran geglaubt haben. Einst wurden Dieter Dorn und Jürgen Rose, in gefühlter ewiger Theater-Kollaboration verbunden, von Wolfgang Sawallisch gefragt, ob sie 1987 Wagners «Ring des Nibelungen» an der Bayerischen Staatsoper realisieren wollen. Dorn, damals Prinzipal der Münchner Kammerspiele, lehnte ab. Zu aufwändig, zu viel...
Die Perspektive ist ungewohnt. Meist wird es den Sängerinnen und Sängern angelastet, wenn sie mit Wagners Partien nicht zurechtkommen. Otto Iro argumentiert umgekehrt: Wo liegen Wagners Irrtümer bei der Gestaltung seiner Rollen? Wo fordert er Dinge, die jeder Physis und jeder gesangstechnischen Logik widersprechen? Otto Iro (1890–1971) stammte aus dem Sudetenland,...
