Charlotte, er war's nicht!

Ferrero: Charlotte Corday Freiberg/Döbeln / Mittelsächsisches Theater

Opernwelt - Logo

Der erste heiße Mainachmittag. Auch wir drohen (ganz kurz nur! ehrlich!) der Versuchung zu erliegen, uns gegen die Französische Revolution zu entscheiden. Für das italienische Eis. Aber ein paar haben es doch ins Mittelsächsische Theater, Zweigstelle Döbeln, geschafft: Die Reihe vor uns etwa hat ein Zwölferrat aus älteren Damen komplett beschlagnahmt, angerückt, um die Opernrarität dieser Spielzeit zu begutachten: «Charlotte Corday», ein Dreiakter von Lorenzo Ferrero über die Ermordung des Girondisten Jean-Paul Marat durch die Titelheldin im Juli 1793.



Aus dem Graben steigt es süffig auf, tonal, mit viel Schlagwerk und musicalhaften Melodien – eine Mischung aus Weill und Bernstein (Ferrero hatte zwar am IRCAM experimentiert und über John Cage promoviert, diese Phase aber 1989 ganz offensichtlich hinter sich gelassen). Wohlgefällig wackeln die Locken des Zwölferrats. Der Mittelsächsischen Philharmonie unter Jan Michael Horstmann kann man gut zuhören. Sehr gut sogar.

Während das Preludio dahinströmt, sitzt Lilia Milek auf der Bühne und überzeugt mit hehrem Blick sogleich als tapfere Charlotte, während auf einem Gazeschleier die Revolution Revue passiert: Schatten formieren sich zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Editorial Juni

Das klingt gut. Erstmals gibt es einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkung. Es gehe darum, «endlich Perspektiven für reifere Talente zu schaffen», erklärt Josef Protschka, Tenor und ehemaliger Rektor der Kölner Musikhochschule. Noch bis 7. Juni werden Bewerbungen entgegengenommen (www.artopera.de). Natürlich wird auf die von Protschka geleitete Jury eine Flut...

Ein Liebender

Natürlich war Sir Colin Davis der Inbegriff eines gut aussehenden, kauzigen, gelassenen, dennoch willensstarken Gentleman. Weil er das wusste, winkte er ab: «Ich bin kein Gentleman. Ein Gentleman arbeitet nicht.» Gearbeitet hat er viel, allerdings führte das weder zu Schreien oder Schweißausbrüchen noch zu Zynismus am Pult. All das hatte er nicht nötig, denn er...

Totgesagte leben länger

Es gibt sie noch in New York, eine Musiktheaterszene jenseits der übermächtigen Met. Auch wenn den kleineren Truppen der Wind im Zuge der Spekulations- und Schuldenkrise scharf ins Gesicht bläst und manchmal der Eindruck entsteht, dass es ums nackte Überleben geht, sorgen sie immer wieder für Überraschungen – mit ungewöhnlichem Repertoire, frischen Stimmen und...