Botticelli im Wohnzimmer
Mit neunzehn hat man noch Träume. Der Student Ruggero Leoncavallo, der bei Giosuè Carducci in Bologna Vorlesungen über die italienische Renaissance hörte und fast zeitgleich dem verehrten Richard Wagner in der Oper begegnete, träumte von einer nationalen Trilogie mit dem programmatischen Titel «Crepusculum» nach dem Vorbild des «Ring des Nibelungen». Ein Jahrzehnt später nahm er es tatsächlich in Angriff.
Das erste Stück «I Medici» (selbstverständlich auf ein eigenes Textbuch geschrieben) verbindet die historisch authentische Verschwörung gegen die Brüder Lorenzo und Giuliano de Medici (1478) mit einer nicht ganz so authentischen Liebesgeschichte um die beiden Florentiner Damen Simonetta und Fioretta. Die Uraufführung der «Medici» im römischen Teatro del Verme (9. November 1893) mit Francesco Tamagno, dem ersten Otello, in der Rolle des Giuliano wurde vom Publikum bestens aufgenommen. Ebenso die weiteren Aufführungen – auch in Berlin, Frankfurt, Moskau und Prag.
Dass sich die Oper trotzdem nicht dauerhaft auf den Spielplänen behaupten konnte, lag an ihrem unzeitigen Erscheinen. 1893 war der «Wagnerismo» in der italienischen Oper bereits passé und der Name Leoncavallos zu ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Ekkehard Pluta
Linz
feiert mit der Eröffnung seines neuen Musiktheaters ein kulturelles Großereignis. 1200 Zuschauern bietet der Große Saal Platz, 32 Meter Durchmesser hat die Drehbühne. Eröffnet wird, unter anderem, mit einer Uraufführung: Philip Glass hat sich mit Peter Handkes «Spuren der Verirrten» beschäftigt.
«Eugen Onegin»
Peter Tschaikowskys Puschkin-Oper erlebt derzeit...
Der Autor, Historiker am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, verspricht uns ein Buch «um Wagners Nachleben, um seine Rezeption in der deutschen Gesellschaft, um die Akzeptanz und die Abgrenzung von einer Idealfigur», deren Werk wie der damit verbundene Wagnerismus «als Bestandteile der deutschen Geschichte zwischen 1883 und 2013» (S. 14) bezeichnet...
Heil sei dem Tag, Heil sei der Stunde». Das klang ihnen so vertraut. Also putzten die Nazis anlässlich ihres Einmarsches in Österreich vor 75 Jahren sich ihre Stiefel an Beethovens «Fidelio» ab, am 28. März 1938 in der Staatsoper. Knappertsbusch dirigierte, Max Lorenz sang den Florestan, Hilde Konetzni die Titelpartie. Hermann Göring war da und stellte sarkastisch...
