Gespenstisch teilnahmslos
In dem Tenorschlager «Nacht überm See» versicherte Fritz Wunderlich einst das Techtelmechtel zwischen den Geschlechtern einer kosmischen Komplizenschaft: «Und der alte Mond lächelt weise, und ein Sternlein funkelt: Na, na!». Der Mond von Alabama ist aus diesem Pakt längst ausgestiegen. Absinthgrün und dumm lacht er über der Wüstenstadt Mahagonny. Jim, Jack, Bill und Joe singen das bei Kurt Weill auch so. Und in Vincent Boussards Inszenierung von «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» – da tut der Mond noch mehr: Er wirft ein Auge auf alles, was unten geschieht.
Aus dem Bruder der Liebenden ist ein Big Brother geworden, ein Totalüberwacher des industriell abgefertigten Waren- und Geschlechtsverkehrs. Man staunt nicht schlecht, in diesem Umfeld Bertolt Brechts Originalsatz der Witwe Begbick zu hören: «Jeden Abend vor dem Schlafengehen wünschen Sie Gin und Pfeffer». Sie weiß also über die Konsumgewohnheiten des Jim Mahoney schon Bescheid, bevor er sie geäußert hat. So wie heute Amazon den Kunden prophylaktische Drohnen mit begehrten Dingen schicken will, bevor sie bestellt wurden. Und was geschieht? Nichts. Wir nehmen es hin. Hier wie dort.
Brecht und Weills Oper war 1930 die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Jan Brachmann
Ein Leben wie eine Stichflamme, ein Knall. Ein Vulkanausbruch. Goethe war fasziniert von der Autobiografie des Florentiner Goldschmieds und Bildhauers Benvenuto Cellini (1500-1571), von der eitlen Geste des autokratischen Künstlers, der eine Ausnahmeposition in der Gesellschaft beanspruchte, obwohl er als Mörder gegen deren Grundlagen verstieß. Denn nicht Gnade...
Klassische Surfer werden hier nicht glücklich. Doch wer weiß, was er sucht, kann sich auf Hör-Abenteuer in bester Klangqualität freuen. Ein Name, ein Titel, ein Schlagwort in der Suchleiste und ein Klick auf die Lupe reichen – schon kann es losgehen. Ursprünglich als Kommunikationsplattform für (Pop-)Musiker gedacht, hat sich SoundCloud (https://soundcloud.com)...
Die Londoner Wigmore Hall, Lieblingskonzertsaal vieler Liedsänger und Kammermusikensembles, lädt regelmäßig herausragende Künstler zur Gestaltung einer eigenen Konzertreihe ein. In der Saison 2012/13 war Iestyn Davies «countertenor in residence». Die Mitschnitte von zwei seiner drei Konzerte sind beim hauseigenen Label der Wigmore Hall erschienen und zeigen zwei...
