So fragil, so kostbar

Cecilia Bartoli bezaubert unter Thomas Hengelbrock in Baden-Baden als Bellinis Sonnambula

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Ohne großen Auftritt kommt Cecilia Bartoli nicht auf die Bühne. Bei der konzertanten Aufführung von Bellinis «La sonnambula» im Festspielhaus Baden-Baden rauscht die Diva im weißen Brautkleid mit langer Schleppe ein und flirtet sogleich mit den Zuhörern in der ersten Reihe.

Wenn Bartoli als Amina in der mit Höchstschwierigkeiten gespickten Kavatine «Sovra il sen la man mi posa» ihre Liebe zu Elvino besingt, tut die Mezzo­sopranistin das so, wie wir es kennen: mit Kopfschütteln und Augenrollen, mit wendigen, leicht meckernden Koloraturen, mit gelegentlich herausstechenden Spitzentönen. Ihre schauspielerische Um­setzung der Eifersuchtsszene mit Elvino (Celso Albelo) hat etwas von Kinder­theater. Je länger aber der Abend dauert, desto intensiver wird Bartolis Spiel – und ihr Gesang. Besonders die beiden großen Szenen als Schlafwandlerin gelingen beeindruckend. Bartolis szenische Zurückhaltung schafft hier Intensität, die sich auch musikalisch ausdrückt. Das Manierierte weicht einem natürlicheren, stets vom Piano ausgehenden Melodie­fluss; die für den Belcanto immens wichtige Balance zwischen allen Registern gelingt immer besser.
Dass der stürmisch gefeierte Abend letztlich zu einem ...

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Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Magazin, Seite 30
von Georg Rudiger

Vergriffen
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