Zeit für Empfindsamkeit

Pergolesis «L’Olimpiade» aus Jesi auf DVD

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Der Karikaturist Pier Leone Ghezzo stellte ihn als frechen Bengel dar, und wesentlich über das Bengelalter ist Giovanni Battista Pergolesi denn auch nicht hinausgekommen. Nur sechsundzwanzig wurde er. Ein Frühvollendeter mit enormer Tiefenwirkung in die Zeit hinein. Er gilt als ­einer der «Erfinder» des galanten Stils; seine Musik wurde – durchaus ungewöhnlich für damalige Verhältnisse – auch lange nach seinem Tod intensiv rezipiert. Für die Oper schuf er einen neuen Arientyp der Empfindsamkeit, der subtil abgestuften, differenzierten Emotionen.

Denn während die Barockoper ihre Figuren eher dem schwarz-weißen Gefühlsplakat übereignet, befällt Pergolesis Helden in ihren Arien häufig der Zweifel, was sich auch in der Musik manifestiert. So schaffen Verzierungen, mit denen lange Melodiebögen unterfüttert werden, Nachdenklichkeit, ja Verletzlichkeit, und in den Nachspielen werden häufig musikalische Fragezeichen ausformuliert. Jörg Königsdorf hat darauf anlässlich der Aufführung von Pergolesis «Olimpiade» 2010 bei den Innsbrucker Festwochen für Alte Musik verwiesen (OW11/2010). Eben jene Produktion mit Alessandro De Marchi und der Academia Montis Regalis, die bereits auf Compactdisc ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché

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