Alles nur Theater!
«Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten verteidigte Janáček seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos. Er führt sie uns fast die ganze Oper hindurch vor, wie sie von außen gesehen wird: in bizarren Klangbildern, die ihre Erscheinung widerspiegeln. Ihre wirkliche Identität enthüllt erst ihr Schlussmonolog, in dem sie den Tod als das Los des Menschen annimmt: «Sterben oder weggehen – es ist kein Unterschied.
» Alle Wünsche und alle Ängste , die sich in der männlichen Psyche mit der Vorstellung einer sexuell unersättlichen Frau verbinden, hat Janáček hier zu einer Figur verdichtet, die neben Bergs Lulu zu den größten Herausforderungen des Musiktheaters gehört.
Eva-Maria Höckmayr konfrontiert uns in ihrer Darmstädter Inszenierung mit dem eigenen, voyeuristischen Blick des Theaterbesuchers. Zu Beginn sehen wir im Videoclip, wie sich die umjubelte Sängerin am Ende der Vorstellung verbeugt, während gleichzeitig Bühnenarbeiter die Kulissen wegschieben und dabei von den Verehrern der Diva behindert werden. Die Vorgänge in der ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert
Mondsüchtiger Taumel, laszive Erotik, rasende Obsessionen – schon die betörend schillernde Klarinettenfigur, mit der Strauss die Prinzessin aus Judäa einführt, lässt keinen Zweifel, dass sich etwas zusammenbraut. Im sehrenden Anfang schwingt das tödliche Ende bereits mit. All die Exzesse, Fantasien und Gefühlsexplosionen, die der 1905 in Dresden uraufgeführten...
Gott ist abwesend, der Kampf ums Überleben diktiert den Stückverlauf. Die (Todes-)Angst vor Aids und das heikle Coming-out, auch innerhalb der Familien, heizen ihn an. Aus dem Alltag erwächst die Vision, am Ende fantasiert sich Prior Walter (er ist nicht Prior, er heißt so) einen Engel herbei, der seinerseits auf Prophetensuche ist. Doch Prior lehnt den Job ab. Er...
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar...
