«Ich bin nun mal kein Festspielmensch»
Lassen Sie uns mit einer persönlichen Frage beginnen: Sie sind dreizehn Spielzeiten lang Chef der Bayerischen Staatsoper in München gewesen, Sie sind von Queen Elizabeth II. zum Knight of the British Empire geschlagen worden. Welche Anrede gefällt Ihnen am besten? Herr Staatsintendant? Sir? Mister Jonas?
Das mit dem Staatsintendanten habe ich sofort nach meinem Antritt in München abgeschafft. Es gab da zwar einen Beamten, der sich partout nicht an diese Verabredung gewöhnen wollte, aber sonst war das eigentlich schnell Common Sense.
Hin und wieder zauberten Politiker den Titel wieder aus dem Hut. Wenn einer dieser Herren mich als «Staatsintendant» ansprach, dann wusste ich gleich, dass irgendetwas im Busch war. Meist nichts Gutes. Also, wenn schon eine formelle Anrede, dann bitte the British Way: Sir Peter. Meine Mitarbeiter haben mich einfach Peter oder «PJ» genannt. Übrigens bin ich in Deutschland immer wieder Leuten begegnet, die es ganz besonders richtig machen wollten und mich mit «Sir Jonas» anredeten. Das ist natürlich völlig daneben, eine tiefe Beleidigung für jeden Englishman (lacht).
Ihr Vater war Jurist...
Nein, das stimmt nicht. Das war mein Großvater in Hamburg. Mein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
Titus kehrt zurück. Keine Oper hatte in Mozarts Jubeljahr 2006 einen so rauschhaften Wiederauftritt wie seine letzte: «La clemenza di Tito». An der bislang überschaubaren Diskografie lag’s wohl auch. Seit früheren Aufnahmen wie denen von István Kertész und Colin Davis (und trotz der späteren von Harnoncourt und Gardiner) schien es, als sei das Werk von der...
Schumann gilt, wie Brahms, als der undramatische Komponist schlechthin, als Meister der lyrischen Kleinform, dessen Begabung sich in der Klaviermusik und im Lied erschöpft. Schumann selbst empfand es, wie er 1842 an Carl Koßmaly schrieb, anders: «Wissen Sie mein Morgen- und abendliches Künstlergebet? Deutsche Oper heißt es. Da ist zu wirken.»
Schumann, dies macht...
