Windmaschine und Donnerkasten

Raffaele Pe, Xavier Sabata, Lawrence Zazzo, Franco Fagioli – gleich vier Counter bringen neue Recitals heraus

Opernwelt - Logo

Es vergeht kein Monat, ohne dass neue hörenswerte Aufnahmen mit Countertenören auf den Markt kommen. Drei der vier Sänger, deren neueste Alben hier vorzustellen sind, gehören schon zu den etablierten Vertretern ihres Fachs. Der junge Italiener Raffaele Pe ist noch nicht so bekannt, und ob es ihm gelingen wird, zu den Stars der Countertenorszene aufzuschließen, bleibt abzuwarten.

In seinem Album «The Medici Castrato», das den Spuren des Kastraten Gualberto Magli folgt, präsentiert er sich auf einem gesangstechnischen Niveau, das den heute geltenden enorm hohen Standards noch nicht entspricht. Immer wieder wackelt die Stimme, auf langen Tönen drückt Pe nach, vor allem in der oberen Lage sind die Grenzen seiner Möglichkeiten allzu deutlich zu hören. Trotzdem gestaltet er sehr intensiv, unterstützt von zwei vorzüglichen Instrumentalisten. Auch das Repertoire, Monodien unterschied­licher Art aus dem frühen 17. Jahrhundert, verdient neugierige Hörer.

Die «Dilettanten», die Xavier ­Sabata auf seinem Album vorstellt, sind alles andere als komponierende Stümper, wie das heutige Wortverständnis vermuten ließe, sondern durchwegs große Könner, die das Komponieren aber nicht als Beruf, sondern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Die Stimme aus Wagners Grab

Wie sind Sie Souffleuse geworden? Eine Ausbildung gibt es ja nicht.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert und anschließend als Dramaturgin am Musiktheater gearbeitet. Doch dann kamen meine Töchter zur Welt – vor 31 und 27 Jahren –, und als ich wieder einsteigen wollte, gab es keine freie Stelle. Aber in Wuppertal wurde eine Souffleuse gesucht. Hauptsache wieder...

Sehnsuchtsbilderbogen

Er atmet schwer, der alte Mann. Einen weißen Leinenanzug hat er angelegt. Als werde es bald Frühling oder Sommer in seinem leeren Lebensabendbunker. Schlurft hierhin, dorthin, hält inne, horcht und blinzelt, ob sich was regt im Halbdunkel zwischen den anthrazitgrauen Wänden. Aber es bleibt still. Kein Laut, nirgends. Nicht mal der schüttere Herbstlaubregen, der aus...

Zeitmaschine

In Gottes Namen? Ständig schleicht einer an diesem Abend chez Gluck im Theater an der Wien über die Bühne, in schwarzem Outfit und Priesterkollar wie ein perfider Militärpfaffe, lauernd, mit bösem Lächeln, eingeschlossen in den Bleirahmen höflicher Gefährlichkeit. Stets trägt er Handschuhe – um keine Spuren zu hinterlassen? Denn es obliegen ihm die notwendigen...