Ins Offene, Freunde
Vera Nemirovas lebhafte und detailreiche Frankfurter «Ring»-Interpretation ist sicher ein gewichtiger Grund dafür, dass geplante Gesamtaufführungen auf Anhieb für ein ausverkauftes Haus sorgten. Und zwar, bevor mit «Götterdämmerung» überhaupt der Schluss des Unternehmens erreicht war. Dieses Finale versetzte die bisher virtuos kompilierte, nach der gewitzten Dramaturgen-Devise «aus jedem Dorf ein Hund» angelegte Szenografie nun doch noch in eine andere Kategorie.
Man kann es ungeschützt und emphatisch sagen: Mit der «Götterdämmerung» rückt diese Arbeit unter die bedeutenden Ereignisse der neueren Wagner-Rezeption ein.
Rasch lässt sich resümieren, was auf dem Niveau des Bisherigen auch auf der letzten tetralogischen Wegstrecke geleistet wurde: Munterkeit im Badewannen-Liebesidyll Brünnhilde/ Siegfried; der blondschöpfige Held dann auch in der Gibichungen-Zivilisation als Waldschrat, der die Bedeutung von Sesseln oder Bierflaschen nicht kennt; die vertrauten Wendungen ins Gruslige, hier in den zwielichtig-brutalen Passagen des ersten Aktschlusses; die forcierten Peinlichkeiten bei Brünnhildens Auftreten als Braut; die drastische Anmache der kahnfahrenden Rheintöchter (nicht nur ...
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Opernwelt März 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Sah man’s je? Da sitzen Veit Pogner und Hans Sachs beim anfänglichen Gemeindechoral in der ersten Reihe, lehnt Eva nervös an einem Gerüst, auf dem Stolzing sich verbirgt. Zweimal während des frommen Gesangs kann Sachs es nicht lassen und blickt, quasi über die Schulter, zu Eva herüber, als ahne er nichts Gutes. Auf der anderen Seite späht David nach seiner Lene und...
Die Stimme finden
Als Sie an der Musikhochschule in Sofia Schülerin der berühmten Ressa Koleva wurden, gab es in der Professorenschaft Diskussionen, ob Sie als Sopran, Mezzosopran oder gar als Alt ausgebildet werden sollten.
Das lag vor allem daran, dass meine Stimme nicht den damals in Bulgarien üblichen Vorstellungen von einem Mezzosopran entsprach. Sie war heller,...
Es ist eine wechselhafte Beziehung, die das Wiesbadener Opernpublikum mit Dietrich W. Hilsdorf verbindet: Seit 1986 inszeniert der Regisseur am Hessischen Staatstheater, nach einer neunjährigen Pause ist er seit Beginn der Intendanz von Manfred Beilharz 2002 wieder regelmäßig zu Gast in Schauspiel und Oper. Hilsdorfs Arbeiten sind von einer erstaunlichen...
