Editorial
Auf der Homepage war die Welt bei Redaktionsschluss noch in Ordnung. Alles läuft wie geplant, bedeutete der Netzauftritt des Teatro dell’Opera di Roma. Neun Opernpremieren, vier werden als Neuproduktionen annonciert. Außerdem soll sich der Vorhang für fünf Ballettabende öffnen. Auch Riccardo Muti ist noch als «Ehrendirigent auf Lebenszeit» im Amt. Nur auf den Besetzungslisten für «Aida» und «Figaro», die er eigentlich dirigieren sollte, fehlt sein Name.
In Wirklichkeit geht es in dem einst renommierten Haus seit geraumer Zeit drunter und drüber.
Zwölf Millionen Euro Schulden, Streiks, interne Dauerquerelen, Missmanagement, wechselnde Intendanten – das wurde selbst dem gebürtigen Neapolitaner Muti zu viel: Mitte September schmiss er entnervt hin. Und es ist unwahrscheinlich, dass sich der 73-Jährige noch einmal umstimmen lässt. Mit Mutis Rücktritt hat die römische Oper nicht nur einen Musikchef verloren, der die Qualität des Orchesters hörbar verbessert hatte, sondern auch ihr wichtigstes Zugpferd im Poker um die seit Jahren kontinuierlich beschnittenen öffentlichen Ressourcen. Wenig später gaben Roms Bürgermeister Ignazio Marino, zugleich Vorsitzender der Opernstiftung, und der ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Allem Verfallsgejammer zum Trotz – worin sich in den letzten Jahren besonders Thomas Quasthoff gefiel – ist das Lied in Deutschland vital geblieben. Den Tenor Daniel Behle kann man schon jetzt, im Jahr seines 40. Geburtstags, zu den Großen des Fachs zählen. Seine Lied-CDs waren bislang vorzüglich; die Richard-Strauss-Platte von 2012 mit dem Pianisten Oliver...
Krishna kriegt den meisten Applaus. Er singt Bass und hat als solcher nicht viel zu tun. Aber aussehen tut er fantastisch: ein schöner, goldener Gott mit vier Armen, Flöte und Fingern, die Symbole in die Luft malen. Gandhi singt Tenor, eine hohe, helle Stimme. Auch er kriegt viel Applaus. Mild und leise, wie er lächelt, kann es sich nur um einen Visionär handeln....
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können...
