Nachtstück
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel wird es, wenn die Erklärungswut eines Regisseurs noch dazukommt. An der Dresdner Semperoper tappt dabei Jan Philipp Gloger in eine selbstgestellte Falle.
Was er sich als Verdeutlichung dachte, als Verbildlichung der Traumata, führt zu Verdoppelung und Verwirrung.
Gloger öffnet die Psychokiste, und heraus drängen Gespenster. Amelia als Kind, ihre Pflegerin als Hexe, Mutter Maria mit dem Messer an der eigenen Gurgel, der kleine Simon. Werden die Albdrücke singend beschworen, sind die stummen Doubles da, und Zauberlehrling Gloger wird ihrer nicht mehr Herr. Eine Inszenierung, die verdächtig an die Szenerien des Freud-Jüngers Claus Guth erinnert. Dabei kann Gloger auch anders. Das hat nicht nur sein geglücktes Operndebüt anno 2010 mit dem Augsburger «Figaro» bewiesen, das zeigen auch einige Szenen des Dresdner «Simon». Die ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese...
Tamerlano» (1724) wird von Händel-Kennern wegen seiner harmonischen Kühnheit und der atemberaubenden Selbstmordszene des türkischen Sultans Bajazet, eine der raren großen Tenor-Partien der Opera seria, geschätzt, vom Publikum aber eher als spröde gefürchtet. Mit diesem Eindruck macht Riccardo Minasi jetzt Schluss. Seine Tempi zielen nicht auf vordergründigen Drive,...
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
