Zwischen großer Oper und Komödienstadel
Sie schleppt sich dahin, die Wiederentdeckung des Opernkomponisten Georg Philipp Telemann. Zwar steht immer wieder eines seiner Bühnenwerke auf dem Spielplan eines deutschen Opernhauses, doch belegen diese Aufführungen meist vor allem Unentschlossenheit – zwischen den Polen hausgemachten Ensembletheaters und historisierendem Spezialistentum hat sich bislang noch kein echter Telemann-Stil entwickelt. Das liegt natürlich auch an den Werken selbst.
Weil Telemann für sein bürgerliches Hamburger Publikum nicht nur hoch und niedrig, ernst und komisch, sondern auch die verschiedensten Stile seiner Zeit durcheinanderwürfelte, verlangt er von seinen Interpreten auch ganz andere Grundentscheidungen als beispielsweise Händel: Soll man die Werke nun als Unterhaltungsstücke mit leichtgewichtigen musikalischen Beigaben spielen oder ihnen durch Betonung der Versatzstücke der großen französischen und italienischen Oper mehr Tiefgang verleihen?
In seiner Aufnahme des «Orpheus», der bislang gelungensten Einspielung einer Telemann-Oper überhaupt, entschied sich René Jacobs für Letzteres: Mit größtmöglicher Farbigkeit in Orchester und Continuo, affektstarker Phrasierung und echten Opernstimmen wie ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 25
von Jörg Königsdorf
Negativ sind die Zeichen in Franz Schuberts «Winterreise»: Ein Mädchen hat sein Eheversprechen gebrochen und offenbar einen materiell besser Situierten geheiratet; der tief Verletzte flieht in kalte winterliche Nacht. Der weitere Ablauf formt sich durch Reflexionen des Wanderers über Leben und Tod bis hin zum Nihilismus – Schuberts Tagebuch eines Verschollenen. Ist...
Monsieur Dorny, Sie sind 2003 nach Lyon gekommen. Haben Sie erreicht, was Sie sich damals für dieses Opernhaus vorgenommen hatten?
Ein gutes Stück davon habe ich schon geschafft, denke ich. Lyon war in den achtziger und neunziger Jahren mit Chefdirigenten wie John Eliot Gardiner und Kent Nagano ein Haus mit großer Ausstrahlung über die Grenzen Frankreichs hinaus. Es...
Darauf, dass Mozarts «Così fan tutte» eine eher bitter als heitere Komödie ist, deutet bereits der ironische Untertitel «La scuola degli amanti» hin. Hinter dem Verwechslungszauber lauert ein grausames Kammerspiel mit eisiger Desillusionierungskonsequenz – das hat sich inzwischen flächendeckend herumgesprochen. Als harmlose Buffa unter Verschweigung von Mozarts...
