Tragik der Landeier
Vrenchen und Sali könnten glücklich sein. Wenn sie nicht das Pech hätten, aus zwei verfeindeten Bauernfamilien zu stammen. Und sie die gehässige Gesellschaft nicht in den Tod triebe. So funktioniert die gängige Lesart von Gottfried Kellers berühmter Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Frederick Delius hat in seiner gelegentlich wieder aufgeführten Oper die sozialen Zusammenhänge in den Hintergrund geschoben und sich auf das Liebespaar konzentriert.
In Bielefeld, der Stadt, aus der die Familie des Komponisten stammt, zeigt Regisseurin Sabine Hartmannshenn das Paar ganz ohne Romantik, als zwei Menschen, die sich ineinander verlieren, von der Welt abkapseln und aus eigener Schuld in einem Alptraum versinken.
Theoretisch ist das Konzept schlüssig. Die üppige, spätromantische Klangsprache von Frederick Delius braucht keinen szenischen Realismus. Auch wenn die Bielefelder eine für mittlere Musiktheater erstellte, reduzierte Instrumentierung aufführen, bleibt ein Eindruck von Opulenz, auch in der Vielfalt der Mittel. Manche Harmonien erinnern an Wagners «Tristan», ruppige, prägnante Effekte an den Verismo, auch der Einfluss amerikanischer Balladen – Delius lebte einige Jahre als ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Stefan Keim
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Robert Schumann meinte zum Finale von Chopins b-Moll-Sonate ratlos-lakonisch: «Musik ist das nicht.» Was aber ist es dann? Abgründig nennt sie Victor Hugo «das Geräusch, das denkt»: der Klang als autonomes Subjekt. Beethovens Credo «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» hat den metaphysischen Anspruch noch einmal übersteigert: Komponieren...
Erst ragt ein Fuß aus dem schrägen Kaminrohr. Dann ein Bein. Schließlich rutscht ein ganzer Kerl heraus. Landet auf einer leeren, blaustrahlenden Bühne. Splitternackt, die Haut kreidefahl. Ein Luftwesen, das keinen festen Boden kennt. Schon gar nicht den Zweck der roten Märchenkaterstiefel, die an der Rampe stehen. Die Ordnung der Dinge, die Logik der Welt ist...
