Bilderbogen
Die Trompete wimmert – zart, versehrt – im Nachhall des Schlagzeugs. Es klagt das Fagott. Erschöpfung liegt über der ersten Szene aus Volker David Kirchners neuer Oper «Gutenberg». Die Musik erinnert an die fahlen Stimmungen im Spätwerk von Dmitri Schostakowitsch, die Szene selbst – mit dem alten Johannes Gutenberg im Algesheimer Hof zu Mainz – ist ein Echo des «gotischen Zimmers» am Anfang von Goethes «Faust». Da ist jemand müde geworden vom eigenen Tun und hat den Appetit verloren auf die Zukunft, die ihm von der Nonne in Form eines «barmherzigen Süppchens» serviert wird.
In seiner neuen Oper, jetzt in Erfurt uraufgeführt, beschäftigt sich Kirchner, der auch das Libretto schrieb, mit Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Die neun Szenen des einstündigen Stücks folgen keiner linearen Erzählung. Dem «betreuten Wohnen» zur Renaissancezeit folgen Alpträume der Kindheit, Rückblenden auf den analphabetischen Mob, Dialoge der Spekulanten, die aus Gutenbergs Erfindung Kapital zu schlagen suchen, die Verwüstung von Mainz durch die Truppen des Kurfürsten Adolf von Nassau. Das Libretto ist ein Bilderbogen – und die animierten Holzschnitte von fettfilm, die auf der ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jan Brachmann
Noch immer scheint Vincenzo Bellinis «Norma» untrennbar mit der Primadonna assoluta Maria Callas verbunden, die in den 1950er-Jahren das Werk rehabilitierte und mit ihrer Interpretation bis heute Maßstäbe setzte. Auch Cecilia Bartolis Versuch einer von dramatischem Gewicht deutlich befreiten Neudeutung der halsbrecherischen Partie der Druidenpriesterin konnte daran...
Das Erste, was mir an ihm auffiel, war sein Blick: dunkel, brennend, forschend. Dann die Art, wie er sprach, sanft, aber mit Nachdruck. Als ich Peter Maxwell Davies Ende der 1960er-Jahre kennenlernte, ahnte ich: Das ist einer, der jedes Wort meint, das er sagt. Einer, der furchtlos ist. Tatsächlich kannte Max keine falsche Scheu. Nicht im Umgang mit den Kritikern,...
Glückliches Kiel: Nicht einmal zwei Jahrzehnte sind seit dem letzten «Ring» vergangen, da bietet das Opernhaus seinem Publikum schon eine neue Inszenierung des Zyklus an. Wobei die jetzt im Entstehen begriffene Version – das zeichnet sich nach den Premieren der ersten beiden Teile ab – einen interessanten Kontrast zur vorigen bildet.
Kirsten Harms hatte die vier...
