Ohne Deutungsfaden
Ein Tripel-Debüt: Renée Flemings erste «Ariadne», dirigiert von einem Werk-Debütanten namens Christian Thielemann, und das mit der Sächsischen Staatskapelle bei ihrer ersten gemeinsamen Opernarbeit. Man reibt sich ungläubig die Augen.
Warum, bitteschön, hat eine der besten Strauss-Sängerinnen der Gegenwart, ausgewiesen als Marschallin, Capriccio-Gräfin und Arabella, nicht längst schon diese Rolle in ihr Repertoire aufgenommen?!
Noch rätselhafter: Wie ist es möglich, dass Christian Thielemann nicht schon in Berlin, Nürnberg oder Düsseldorf Aufführungen dieses Hauptwerks seines Lieblingskomponisten dirigiert hat?! Wenn die Kritiker-Reaktionen in Baden-Baden eher durchwachsen ausfielen, so muss dies auch daran liegen, dass für jedes Debüt in der Oper der richtige Zeitpunkt zählt.
Es liegt zunächst am lieblos Hergesuchten der szenischen Produktion. Dass Versionen der Inszenierung von Philipp Arlaud schon 2009 in Genua, Oviedo und Athen zu sehen waren, erfährt man im Programmheft der Baden-Badener Variante nicht. Die je nach Größe des Hauses anstückelbaren, weißen Wellenlamellen verströmen nichts vom Nimbus des «reichsten Mannes von Wien», sondern ähneln eher den Show-Dekorationen einer ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Kai Luehrs-Kaiser
Nur geborgt sei dieses Amt, betont sie immer wieder. Und dann ist doch eine Dauerleihgabe daraus geworden: Dreizehn Jahre lang amtiert Brigitte Fassbaender schon als Intendantin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck. Ein Opernstar an der Theaterspitze, das hat nach wie vor Seltenheitswert. Wolfgang Windgassen probierte es einige Jahre in Stuttgart, Plácido...
Denkbar unspektakulär, das Ganze. Einfach nah an Wort und Musik. Leicht stilisiert, immer aus der Körpersprache der Figuren lebend, Farben und Gesten genau setzend. So wie Christof Loy seit Jahren (fast) immer arbeitet. Bei seinem Berlin-Debüt hat der knapp fünfzigjährige Regisseur damit jetzt Ovationen ausgelöst, wie sie in Opernhäusern der Hauptstadt lange nicht...
Die Premiere wurde live auf BR Klassik übertragen und stand unter keinem guten Stern: Beide alternierenden Solistinnen für die Rolle von Wilhelm Tells Sohn Jemmy waren indisponiert. Michaela Maria Mayer spielte immerhin, aus dem Graben sang Einspringerin Claudia Braun, die aber nicht alle Arien der fast immer anders gekürzten Oper kannte, so dass im Schlussakt...
