Der Widerspenstigen Lähmung
Die einleuchtende Grundidee in Dresden bestand in einem zweiteiligen Unternehmen, das praktische Anschauung mit theoretischer Erörterung vereinte und aufeinander bezog: einerseits allabendlich vorgeführte Operetten auf der Bühne, andererseits beredete Operetten auf einer Tagung, die erkunden sollte, was aus dieser Gattung unter der NS-Herrschaft wurde. Ergiebiger als der theoretische erwies sich der praktische Teil des Unternehmens.
Schon die Auswahl der vier Werke, durchweg im laufenden Repertoire des Hauses, ermunterte zu Überlegungen darüber, wie und wo der obengesteuerte Theaterbetrieb der nazistischen Kunstpolitik zugegriffen hat.
Vorgeführt wurden: Johann Strauß’ fast vergessener «Karneval in Rom» (1873; in der neu herausgegebenen erweiterten Urfassung), ein Beispiel der nazistischerseits anerkannten «klassischen» Wiener Operette, dazumal verschrieben als Antidotum gegen die verpönte französische Operette à la Offenbach; Lehárs «Lustige Witwe» (1905), der man auf den arisierten Bühnen stillschweigend den jüdischen Librettisten Leon hinwegoperierte; sowie zwei damals restlos ausgemerzte Stücke von bislang erfolgreichen jüdischen Komponisten aus der Spätzeit der Gattung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Barcellona, haben Sie Oper in Ihren Genen?
Nicht unbedingt. Zwar sagt man uns Italienern das im Allgemeinen nach, doch ich fühlte mich nicht zur Sängerin geboren, wollte zunächst etwas anderes machen, etwas, das mit Sprachen zu tun hat. Freilich hat man in meiner Familie die klassische Musik immer schon geliebt. Meine Eltern hörten sich Opernübertragungen im...
Harry Kupfer begann seine Karriere in Halle, Stralsund, Chemnitz und Weimar. 1971 debütierte er an der Berliner Staatsoper, wo seine Inszenierungen von «Otello», «Die Frau ohne Schatten», «Parsifal» und «Salome» für ihre genaue Personenregie und psychologische Tiefenschärfe gepriesen wurden. 1972 wurde er an die Staatsoper Dresden berufen. Innerhalb weniger...
Seht her, scheint Christine Mielitz der kränkelnden Kulturnation zuzurufen, was das deutsche Stadttheater doch alles kann – wenn man es nur machen lässt. Nicht nur mit ihrem legendären Meininger «Ring» (siehe OW 06/2004) stellte sie das kreative Potenzial der so genannten Provinz spektakulär unter Beweis. Auch in Dortmund, ihrer neuen künstlerischen Heimat, setzte...
