Thema verfehlt
Diese Inszenierung ist ein Paradoxon: Sie aktualisiert, und zwar nachdrücklich – doch nicht, um die Handlung uns Zeitgenossen näher zu bringen und dadurch fasslicher zu machen. Ganz im Gegenteil: Es ist die erklärte Absicht des Regisseurs Dmitri Tcherniakov, die Titelfigur fremd, ihr Handeln unbegreiflich erscheinen zu lassen. Bei Schostakowitsch ist diese Katerina Ismailowa, bevor sie zur Ehebrecherin und Mörderin wird, zunächst einmal das Opfer einer repressiven, ständisch-kapitalistischen Gesellschaftsordnung.
Indem der Regisseur das Geschehen vom altrussischen Kaufmannshaus in einen neuzeitlichen Versandhandel verlegt, entfällt diese Voraussetzung: Im Zeitalter von Computer und Telekommunikation ließe sich selbst in der Provinz etwas gegen die bleierne Langeweile tun, und gegen die Demütigungen durch den Schwiegervater und das Desinteresse des Gatten hülfe notfalls eine Scheidung. Doch, so der Regisseur im Programmheft, die Ursachen des Geschehens seien «nicht außerhalb der Hauptgestalt, sondern tief in ihrem Inneren versteckt.» Für ihn ist Katerina die «ganz Andere», die wesensmäßig Fremde, eine kompromisslose «maximalistische» Person «jenseits der Zivilisation», die dem von ...
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Mal installieren sie einen Prada-Shop in der texanischen Wüste, mal verfrachten sie ein Sprungbrett aus einem Schwimmbad in einen Wohnraum: Die international gefeierten Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset lieben es, alte Strukturen zu sprengen und neue Zusammenhänge zu stiften. Nach diesem Prinzip ging das dänisch-norwegische Duo auch bei der...
Es ist noch nicht lange her, da galt das Heimatland einer Montserrat Caballé, eines Alfredo Kraus und José Carreras vor allem als Belcanto-Hochburg. Wie unzutreffend dieses Klischee und wie sehr Spaniens Opernszene inzwischen in Bewegung ist, beweisen nicht zuletzt die führenden Häuser in Madrid, Barcelona und Valencia. Mit ihren jüngsten Premieren spannen sie...
Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
